München, Berlin (epd). Die Eigenanteile für einen Platz im Pflegeheim sind weiter deutlich gestiegen. Nach aktuellen Zahlen des AOK-Bundesverbands vom Donnerstag kletterte der Betrag, den die Pflegebedürftigen im ersten Jahr des Heimaufenthalts selbst aufbringen müssen, zwischen Juni und Ende Dezember 2025 im Bundesdurchschnitt um 112 Euro auf monatlich 3.204 Euro. Eine ebenfalls am Donnerstag veröffentlichte Analyse des Verbands der Ersatzkassen bezifferte diesen Wert sogar auf 3.245 Euro. Bayern liegt demnach mit 3.196 Euro Eigenanteil im Durchschnitt. Zuerst hatte das "RedaktionsNetzwerk Deutschland" berichtet.
Zwischen den einzelnen Bundesländern gibt es weiterhin enorme Unterschiede: Die höchsten Eigenanteile sind laut AOK mit 3.528 Euro in Nordrhein-Westfalen zu zahlen, die niedrigsten mit 2.661 Euro in Sachsen-Anhalt. Im bundesweiten Schnitt kostet unter Berücksichtigung der Zahlungen der Pflegeversicherung ein Heimplatz nunmehr erstmals mehr als 5.000 Euro (konkret 5.033 Euro). Ende 2024 waren es noch 4.715 Euro. Die Analyse der Ersatzkassen bezifferte die Eigenbeteiligung im ersten Jahr im Heim mit 3.637 Euro in Bremen am höchsten. Sachsen-Anhalt erreichte auch hier mit 2.720 Euro den niedrigsten Wert.
Mehr Verantwortung der Länder angemahnt
Die Chefin des AOK-Bundesverbandes, Carola Reimann, forderte Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) auf, ihre Zusage einzulösen und das Problem der steigenden Eigenanteile mit der Pflegereform in den Griff zu bekommen. Zentrales Problem sei, dass Pflegeheim-Bewohner die Versäumnisse der Länder bei der Finanzierung der Investitionskosten ausgleichen müssten: "Wenn die Länder hier ihren Verpflichtungen für den Bau und die Instandhaltung der Heime nachkommen würden, könnte man eine deutliche Entlastung bei den Eigenanteilen erreichen." Der Verband der Privaten Krankenversicherung argumentierte ähnlich.
Die bayerische Gesundheitsministerin Judith Gerlach (CSU) hingegen sieht vor allem die Bundesregierung in der Pflicht. Es brauche "endlich eine nachhaltige Finanz- und Strukturreform der Pflegeversicherung", sagte die Ministerin. Vor allem die Bundesregierung sei gefordert, "einen Vorschlag für eine auch generationengerechte Finanzierung der Pflege zu machen". Die bayerische Staatsregierung setze sich "für eine Steuerfinanzierung versicherungsfremder Leistungen" sowie der aktuell von den Pflegebedürftigen getragenen Ausbildungskosten in der Pflege ein, erläuterte Gerlach.