München (epd). Für den bayerischen Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm ist der Reformationstag am Montag (31. Oktober) "ein Tag der Freiheit und zugleich ein Tag der Zuversicht". Der Reformator Martin Luther (1483-1546) habe mit dem Anschlag von 95 Thesen an die Wittenberger Schlosskirche eine Kirchenreform ausgelöst, sagte Bedford-Strohm. In deren Verlauf erkannten die Gläubigen, dass Gott gnädig, liebevoll sowie vergebend handle. Das Vertrauen auf diesen Gott befreie die Menschen "von knechtender Angst" - wie beispielsweise wegen der Klimakrise oder des Ukraine-Kriegs.

Die Präsidentin der bayerischen Landessynode, Annekathrin Preidel, sagte mit Blick auf die mehr als 500 Jahre, die seit Beginn der Reformation vergangenen sind, evangelische Christen hätten in dieser Zeit gute Erfahrungen mit Veränderungsprozessen gemacht. Die Feiern zum Reformationsjubiläum im Jahr 2017 hätten gezeigt, "dass sich neue und bleibende Begeisterung einstellt", wenn alte Werte der Reformation wiederentdeckt und gelebt würden. Es sei die Zuwendung Gottes, "die die Welt im Innersten zusammenhält", sagte Preidel. Die Welt sei ein "kostbarer Ort", um den Gott kämpfe.

Der bayerische Landesbischof erläuterte weiter, man könne in diesen schwierigen Zeiten Zuversicht gewinnen, wenn man sich Zeit für Gott nehme - etwa in der Stille einer Kirche oder auch im Gespräch mit Gott, in einem Gebet. Die Freude über das Gute im Leben helfe, der Traurigkeit und Depression vorzubeugen, erläuterte der evangelische Theologe. Denn: "Nicht einem einzigen Menschen in der Ukraine geht es besser, wenn wir uns der Trübsal hingeben."

Am Reformationstag erinnern Protestanten in aller Welt an die Anfänge der evangelischen Kirche vor rund 500 Jahren. Die vom damaligen Augustinermönch Martin Luther um den 31. Oktober 1517 von Wittenberg aus verbreiteten 95 Thesen gegen kirchliche Missstände wurden zum Ausgang einer christlichen Erneuerungsbewegung. Während der Gedenktag früher zur Abgrenzung der Protestanten gegenüber katholischen Christen genutzt wurde, wird er inzwischen im Geist der Ökumene gefeiert.