München (epd). Seelische Fitnesscenter, die Menschen für den Alltag stärken: So wünscht sich der Münchner Regionalbischof Christian Kopp die Kirchengemeinden der Zukunft. Die Erfahrungen der letzten Jahre und die Herausforderungen der Gegenwart sorgten dafür, "dass wir seelisch im Powermodus sind", sagte der Theologe am Sonntag laut Manuskript in seiner Festpredigt zum 50-jährigen Bestehen des Ökumenischen Zentrums im Olympiadorf. Es brauche deshalb kirchliche Orte und Mitarbeitende, die durchdrungen seien "von der Suche nach dem, was Menschen stärkt und tröstet und aufrichtet und liebevoll und rücksichtsvoll macht".
Als erstes Ökumenisches Zentrum in Bayern waren die evangelische Olympiakirche und die katholische Kirche Frieden Christi 1972 im Zuge der Olympischen Spiele in Betrieb genommen worden. Die Arbeit dort sei "ein Zeichen für das, was wir brauchen: Ganz viel Gemeinsamkeit zwischen den Christinnen und Christen in der Welt", betonte Kopp. Die Ideengeber des Ökumenischen Zentrums seien mit ihrem Anspruch der Gemeinschaftsbildung und der konfessionellen Verzahnung ihrer Zeit weit voraus gewesen.
Die "innovative Kraft dieser Idee" werde aus seiner Sicht von der bayerischen Landeskirche "nicht ausreichend gesehen", kritisierte Kopp. Es falle der Kirche schwer, Prioritäten zu setzen, weil alles gleich wichtig sei. "Bloß niemanden vergrätzen. Bloß niemanden nicht sehen. Um Gottes willen niemanden zu nahe treten mit Wertungen. Das sind die evangelischen Regeln", zählte der Oberkirchenrat auf. Aus diesem Grund würden Mittel "viel zu großflächig" verteilt und zu wenig Akzente gesetzt.
Auch das Ökumenische Zentrum im Olympiadorf müsse sich fragen, ob die Erwartungen der Gründungsväter in Erfüllung gegangen seien. "Hat sich der Traum vom Gemeinsamen mit Leben gefüllt? Power bekommen? Ist hier auch ökumenisch die Post abgegangen?", fragte Regionalbischof Kopp. Er forderte die Gemeinde auf, "diese Zwanzigerjahre zum Jahrzehnt der Ökumene in Oberbayern" zu machen und als Ökumenisches Zentrum dabei eine Vorreiterrolle einzunehmen.