Nürnberg (epd). Zu einer "solidarischen Spendenaktion" hat die Stadtmission Nürnberg am Donnerstag Besserverdienende aufgerufen. Unter dem Motto "Handeln statt Hoffen! Erste Hilfe gegen Armut" appelliert sie an Menschen, die auf ihre Energiepauschale verzichten können, sie an Bedürftige weiterzugeben. Die jüngst beschlossenen Energiepreisbremsen des Staates würden jetzt pauschal und kurzfristig alle Bürgerinnen und Bürger entlasten, heißt es in dem Aufruf: "Den ständigen Existenzkampf für Menschen am untersten Einkommensende beenden sie nicht".

Mieten, Lebensmittel, Strom- und Heizkosten würden permanent teurer. Darauf könne keine Sozialbehörde schnell genug reagieren, erklärte Christine Mürau von der Kirchlichen Allgemeinen Sozialarbeit (KASA) der Stadtmission. "Unsere Klientel hat große Angst, ihr Lebensnotwendiges nicht mehr bezahlen zu können", sagte sie.

Zu den Hilfesuchenden zählten Erwerbsunfähige ebenso wie Familien mit geringen Löhnen oder Rentnerinnen und Rentner. Einmalzahlungen des Jobcenters oder der Energiepreisdeckel ab Februar würden die in einigen Bevölkerungsschichten verfestigte Existenznot nicht abschaffen. Mürau sieht auch in der Einführung des Bürgergelds ab 2023 keine Wende. "Mit sozialstaatlichen Leistungen allein ist vielen unserer Ratsuchenden nicht mehr ausreichend geholfen. Wir müssen vermehrt auf private Spenden zurückgreifen."

Mürau fordert "wirkmächtige Sozialreformen gegen die Armut", damit nicht nur Löcher gestopft werden könnten. Die Diakonie in Bayern halte einen Regelsatz von monatlich mindestens 600 Euro für Bedürftige für nötig, ebenso einen Lastenausgleich, der stark Vermögende stärker in die soziale Pflicht nehme. Bayern zähle laut Armutsbericht des Paritätischen Gesamtverbandes deutschlandweit zu den fünf Bundesländern, in denen die Armutsquote von 2020 auf 2021 am stärksten angestiegen sei, erklärte die KASA-Leiterin. Die Inflationsraten um zehn Prozent seien dabei noch nicht berücksichtigt.