Regensburg (epd). Die Stolperstein-Initiative Regensburg gedenkt einem der ersten Antisemitismus-Mordopfer der Nachkriegszeit in Bayern. Der 14-jährige jüdische Junge Berek Goldfeier hatte das Ghetto in Lodz und das Konzentrationslager in Auschwitz überlebt. Auf seiner geplanten Ausreise nach Israel wurde er im Dezember 1945 in Regensburg ermordet. Am 23. Oktober wird für den Jungen sowie drei weitere jüdische NS-Opfer ein Stolperstein in Regensburg verlegt, teilte die Stolperstein-Initiative des Evangelischen Bildungswerks in Regensburg mit.

Berek Goldfeier wurde erdrosselt, seine Leiche in einer Bahnhofshalle gefunden. Die Regensburger Autorin Waltraud Bierwirth hat die Ermittlungsakten dazu im Amberger Staatsarchiv erforscht und geht davon aus, dass auch nach Kriegsende Juden ermordet wurden. Den gewaltsamen Tod von Goldfeier sieht sie als "antisemitisches Hassverbrechen". Bei der Steinverlegung wird Bierwirth die Gedenkrede halten.

Auch die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus in Bayern (Rias) sieht in der Ermordung von Goldfeier einen der ersten antisemitischen Morde der Nachkriegszeit in Bayern. Die Polizei ging damals von einem Raubmord aus, aber das Opfer sei nicht ausgeraubt worden. Goldfeier wurde zwar in Regensburg bestattet, seine sterblichen Überreste aber später nach Israel überführt. Auf dem jüdischen Friedhof steht der Grabstein des Jungen mit einer abgebrochenen Säule. Im jüdischen Glauben sei das ein Symbol für ein zu früh beendetes Leben.

Des Weiteren wird die Stolperstein-Initiative am 23. Oktober für August Strauß, seine Frau Emmi sowie für Henriette Weil, geborene Strauß, einen Stein verlegen. Strauß war Bankier und Teilhaber eines Bankgeschäfts in Regensburg. Seine Familie wurde ein Opfer des Holocaust. Die Stolpersteine werden jeweils vor dem letzten Wohnort der Opfer verlegt.

Annähernd 300 Stolpersteine hat die Stolperstein-Initiative des Evangelischen Bildungswerks Regensburg laut Mitteilung in den vergangenen 18 Jahren in Regensburg verlegt, außerdem einen Stein in Schierling und einen in Lappersdorf. Europaweit seien es inzwischen über 116.000 Steine in 31 Ländern.