München, Potsdam (epd). Vier wichtige, miteinander verbundene Teile des Klimasystems der Erde verlieren einer neuen Studie zufolge an Stabilität. Dies bedeute, "dass diese Systeme sich kritischen Schwellenwerten nähern könnten", erklärte der Leitautor der Studie, Niklas Boers, vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) und der Technischen Universität München am Mittwoch.

Die Forschenden untersuchten dabei die Zusammenhänge zwischen vier Kippelementen: dem grönlandischen Eisschild, der Atlantischen Meridionalen Umwälzströmung (AMOC), dem Amazonas-Regenwald und dem südamerikanischen Monsunsystem. Alle vier zeigten Anzeichen eines Verlusts an Widerstandsfähigkeit, hieß es. Damit erhöhe sich das Risiko abrupter und möglicherweise unumkehrbarer Veränderungen.

Die größte Sorge der Forschenden ist laut PIK, dass diese Klimasysteme nicht isoliert sind. Sie seien Teil eines über Ozeane und Atmosphäre miteinander verbundenen Systems von Kippelementen. Um Anzeichen einer Destabilisierung zu erkennen, analysierte das internationale Team langfristige Beobachtungsdaten. Dabei entwickelte es eine mathematische Methode, um zu bewerten, wie sich die einzelnen Komponenten nach Störungen erholen.

Während Klimamodelle diese Dynamik noch nicht mit ausreichender Zuverlässigkeit darstellen könnten, seien Veränderungen anhand empirischer Daten bereits sichtbar. So werde etwa der grönländische Eisschild durch Rückkopplungen destabilisiert, die das Schmelzen beschleunigen. AMOC sei durch den zunehmenden Süßwassereintrag aus schmelzendem Eis und Niederschlägen bedroht.