München, Stuttgart (epd). Mitglieder der rechtsextremen "Terrorgram"-Szene sind im Schnitt kaum älter als 16 Jahre und leiden mehrheitlich an psychischen Erkrankungen. Sie radikalisieren sich oft in weniger als einem Jahr, wie aus der ersten kriminologischen Studie zu diesem Thema hervorgeht, die das Landeskriminalamt Baden-Württemberg am Dienstag in Stuttgart vorgestellt hat. Dabei wurden 37 Fälle aus den Jahren 2020 bis 2025 unter die Lupe genommen. Das Projekt wurde in Zusammenarbeit mit den Generalstaatsanwaltschaften Stuttgart und München durchgeführt.
Alle untersuchten Personen waren Männer. Laut der Studie wurde bei mehr als zwei Dritteln der Personen (68 Prozent) eine psychische Erkrankung ärztlich diagnostiziert. Weitere 24 Prozent zeigten deutliche Anzeichen für eine solche Erkrankung. Die meisten der untersuchten Jugendlichen waren zudem familiär vernachlässigt und sozial isoliert. Ihre Gewaltbereitschaft ist hoch. Fast alle hatten bereits Waffen beschafft oder konkrete Pläne für eine Tat entwickelt.
Hohe dreistellige Zahl an Mitgliedern
Die "Terrorgram"-Szene ist ein internationales, neofaschistisches Netzwerk, das sich vor allem über den Messenger-Dienst Telegram organisiert. Dort werden terroristische Anschläge und Amoktaten verherrlicht und zur Nachahmung empfohlen. Ziel der Gruppierung ist es laut Innenministerium, durch Gewalt die gesellschaftliche Ordnung zu destabilisieren. Die Zahl der nicht erfassten Mitglieder wird auf eine hohe dreistellige Zahl geschätzt. Die Erkenntnisse der Studie sollen nun in die Entwicklung von Ausstiegsprogrammen und Handreichungen für Ermittler und die Justiz einfließen.