München (epd). Mit einer feierlichen Zeremonie ist die historische Synagoge in der Münchner Reichenbachstraße wiedereröffnet worden. Zuvor war das im Bauhausstil errichtete jüdische Gotteshaus jahrelang restauriert worden. Am Montagabend feierten mehr als 450 Gäste die Rückkehr des Baudenkmals ins öffentliche Leben, darunter Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD), zudem die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München (IKG), Charlotte Knobloch, der Pianist Igor Levit und der Architekten-Sohn Emanuel Meyerstein. Eingeladen hatte der Verein Synagoge Reichenbachstraße.

"Endlich eine positive Nachricht über Jüdisches", sagte die Vereinsvorsitzende Rachel Salamander am Abend. "Es ist vollbracht. Die Reichenbachschul ist auferstanden. Eine der wahrhaft schönsten Synagogen der Moderne ist gerettet." Es gelte heute, das Erbe des Vorkriegsjudentums "wieder seiner vollen Würde zuzuführen" und den Damaligen mit ihrer Synagoge "eine Stimme zurückzugeben, sie wieder zu beheimaten", so Salamander: "Das heißt, ein Stück Geschichte zu heilen."

Kanzler Merz sagte, er wünsche sich sehr, dass die Synagoge "ein Ort der Heimat für jüdisches Leben und für jüdische Religiosität in Deutschland wird, der ausstrahlt auf die ganze Bundesrepublik".

Jüdisches Leben sei in Bayern "fest daheim", sagte Ministerpräsident Söder. Dass die Synagoge in neuem Glanz erstrahle, sei "ein Bekenntnis zum Glauben und ein Bekenntnis zu Bayern". Indem die jüdische Gemeinde hier wieder eine Heimat fand, habe sie der Gesellschaft Hoffnung und "auch einen Weg der Vergebung geschenkt". Bayern werde "null Toleranz" bei Rassismus, Hass und Antisemitismus zeigen.

IKG-Präsidentin Knobloch dankte der Projektinitiatorin Salamander: "Als offenes Haus unserer Kultusgemeinde macht diese Synagoge ab sofort jüdische Geschichte und Gegenwart für jedermann sichtbar", sagte Knobloch. Sie werde nicht nur ein architektonisches, sondern auch ein kulturelles Glanzlicht für München sein.

Die von Architekt Gustav Meyerstein 1931 erbaute Synagoge ist der einzige erhaltene Vorkriegsbau des Münchner Judentums. 1938 wurde sie von den Nationalsozialisten verwüstet und 1947 wieder eingeweiht. Seit die IKG mit Ohel Jakob seit 2006 eine neue Hauptsynagoge hat, verfiel sie. 2011 gründete Salamander den Verein, um sie zu retten. Die Finanzierung von rund 14 Millionen Euro trugen Bund, Land und Landeshauptstadt zu je 30 Prozent, den Rest der Verein.

Die wiederhergestellte Synagoge ist ein ritusfähiges Gotteshaus - hier sollen Gottesdienste und religiöse Feste stattfinden. Zugleich wird sie für die Öffentlichkeit mit Bildungsangeboten zugänglich sein.