München, Heidelberg (epd). Ein Forschungsprojekt der Technischen Universität München nutzt ein Theaterstück, um die moralischen Risiken von Künstlicher Intelligenz (KI) zu untersuchen. Das Projekt "MoralPLai" erforscht, wie Chatbots ethische Entscheidungen von Menschen beeinflussen, wie die Klaus Tschira Stiftung am Dienstag in Heidelberg mitteilte. Die Stiftung fördert die wissenschaftliche Begleitforschung.
Das Theaterstück "The Third Voice" ("Die dritte Stimme") wurde im Mai im Amerikahaus in München uraufgeführt. Die Handlung dreht sich um eine Ärztin, die wegen der Nutzung eines KI-Chatbots bei der Beratung eines todkranken Patienten vor Gericht steht. Gleichzeitig sucht ihre einsame Tochter bei demselben Chatbot emotionalen Beistand.
Im Mittelpunkt steht laut Mitteilung der Chatbot "Aithona", der als Dialogpartner auftritt, wenn ein menschliches Gegenüber fehlt. Das Stück behandelt Themen wie Echokammern durch Algorithmen, verzerrte Trainingsdaten und die Frage der Verantwortung beim Einsatz von KI. Es zeigt auf, wie KI-Systeme Menschen sowohl unterstützen als auch beschädigen können.
Eine Besonderheit der Aufführung ist die Einbindung des Publikums. Dessen Reaktionen und Einschätzungen werden systematisch erfasst. Die gewonnenen Daten fließen anschließend zurück in die wissenschaftliche Forschung.
Projektleiterin Franziska Poszler bezeichnete den Ansatz als Versuch, Forschung zur verantwortungsvollen Nutzung von KI-Systemen zugänglich und inklusiv zu gestalten. Laut Regisseur Carys Kresny kann Theater dabei helfen, die Zukunft zu gestalten. Das Publikum solle das Gefühl bekommen, dass seine Stimme in der Entwicklung von KI eine Rolle spiele.