Hof (epd). Die Freiburger Theologieprofessorin Ursula Nothelle-Wildfeuer ruft die katholische Kirche auf, sich in ihrer derzeitigen Vertrauenskrise nicht mit kleinen Reformen zufriedenzugeben. Ein "Weiter so" sei keine Option, sagte sie laut Mitteilung am Samstag in ihrem Festvortrag mit dem Thema "Gemeinsam für die Zukunft. Geschwisterliche Kirche - missionarische Kirche im 21. Jahrhundert" auf dem Neujahrsempfang des Erzbistums Bamberg in der Freiheitshalle in Hof.
Von notwendigen Veränderungsprozessen bleibe keine kirchliche Ebene verschont, sagte die Inhaberin des Lehrstuhls für Christliche Gesellschaftslehre an der Universität Freiburg. Um zukunftsfähig zu sein, müsse die Kirche missionarisch, authentisch und geschwisterlich sein. Die dramatisch sinkenden Zahlen der Messbesucher, Priester, Seelsorgerinnen und Seelsorger sowie die zurückgehende Nachfrage nach kirchlichem Beistand an Lebenswendepunkten ziehe einen massiven Umgestaltungsdruck nach sich.
Weihbischof und Diözesanadministrator Herwig Gössl sagte in seiner Begrüßung laut Mitteilung, bei aller Notwendigkeit, Missstände zu kritisieren und künftig zu verhindern, sei Kirche mehr als die Summe des menschlichen Fehlverhaltens. "Kirche baut Gemeinschaft auf, sie bringt Menschen zusammen und bringt sie in Berührung mit Gott." Der missionarische Auftrag von Kirche ergebe sich nicht aus der Notwendigkeit des personellen Selbsterhalts, sondern aus der Sendung, die von Gott ausgehe.
Die Hofer Oberbürgermeisterin Eva Döhla würdigte in ihrem Grußwort das ehrenamtliche Engagement der Menschen in der Region: "Sie erfüllen den Anspruch der Solidarität jeden Tag aufs Neue mit Leben." Deswegen gelte ihre besondere Hochachtung all jenen Menschen, "die sich voller Eifer und voller Nächstenliebe um ihre Mitbürgerinnen und Mitbürger kümmern. Sie sind das Fundament unserer Demokratie."
Der Neujahrsempfang mit Gästen aus Kirche, Gesellschaft, Politik und Kultur fand nach zwei Jahren Corona-Pause wieder statt. Nach dem Rücktritt von Erzbischof Ludwig Schick im November 2022 leitet Weihbischof Gössl das Erzbistum als Diözesanadministrator bis zur Ernennung eines neuen Erzbischofs durch den Papst.