Würzburg (epd). Der katholische Würzburger Bischof Franz Jung bedauert die Entscheidung des Würzburger Stadtrates, den Kardinal-Faulhaber-Platz in der Innenstadt umzubenennen. Er halte die am Donnerstagabend mehrheitlich getroffene Entscheidung mit 27 zu 14 Stimmen "für falsch", sagte Bischof Jung laut einer Mitteilung des Bistums vom Freitag. In Würzburg wird schon seit Monaten über die Namensgebung wegen seiner Haltung zur Nazi-Diktatur diskutiert. Der spätere Erzbischof von München und Freising Michael von Faulhaber stammt gebürtig aus Unterfranken.

Bischof Jung sagte, die Stadtgesellschaft habe in den vergangenen Monaten zu Recht "intensiv und fachkundig" über die Würdigung Faulhabers mit der Benennung eines Platzes an einem prominenten Ort in der Würzburger Innenstadt diskutiert. Bei einem öffentlichen Podium hatten sich Experten im Juni dafür ausgesprochen, den Namen Kardinal-Faulhaber-Platz beizubehalten. Faulhabers Haltung - er lehnte die Weimarer Republik und die Demokratie laut den Historikern vehement ab - sei zwar aus heutiger Sicht problematisch, rechtfertige aber keine Umbenennung des Faulhaber-Platzes.

Die Experten hatten einer Stadtsprecherin zufolge eine sogenannte Kontextualisierung statt einer Umbenennung empfohlen - also beispielsweise ein erläuterndes Zusatzschild unter dem bestehenden Straßenschild. Bischof Jung sagte, das einstimmige Votum der Experten werde nivelliert und letztlich für irrelevant erklärt: "Dieser politische Umgang mit historischer Wissenschaft ist ausgerechnet in einer Universitätsstadt sehr fragwürdig." Das Bistum werde Faulhaber als "einer der bedeutendsten Persönlichkeiten der katholischen Kirche" weiterhin ein ehrendes Gedenken bewahren.

Der Entscheidung im Stadtrat war eine lebhafte Diskussion vorausgegangen. Wie die Würzburger "Main-Post" (Freitag) berichtet, könnte der bisherige Kardinal-Faulhaber-Platz schon bald nach der vor kurzem erst verstorbenen Alt-Landtagspräsidentin Barbara Stamm (CSU) benannt werden. Über einen entsprechenden Antrag könnte der Stadtrat bald entscheiden. Dazu müsste er allerdings von seiner Regelung abweichen, Straßen frühestens drei Jahre nach dem Tod einer Persönlichkeit nach dieser zu benennen. Oberbürgermeister Christian Schuchardt (CDU) hält dies aber für möglich.