München (epd). Auch mehr als 36 Jahre nach der Atomreaktor-Katastrophe von Tschernobyl sind die Pilze in Bayerns Wäldern teilweise erheblich mit radioaktivem Cäsium belastet. Dies bestätigen die Messungen des Umweltinstituts München, von denen heuer manche auch gemeinsam mit dem Bund Naturschutz in Bayern (BN) vorgenommen wurden, wie die Umweltschützer am Freitag mitteilten. Der BN und das Umweltinstitut warnen Pilzsammler deswegen vor einem übermäßigen Verzehr. Dieses Jahr gibt es wegen des wechselhaften Wetters ungewöhnlich viele Waldpilze im Freistaat.

Nach Angaben der Umweltschützer sind vor allem Pilze aus Südbayern betroffen - und darunter vor allem der beliebte Maronenröhrling. Spitzenreiter waren Maronenröhrlinge im Kreis Memmingen mit 594 Becquerel pro Kilogramm. Hauke Doerk vom Umweltinstitut sagte, in den Wäldern nehme die radioaktive Belastung aus der Tschernobyl-Katastrophe "leider nur sehr langsam ab". Südbayern sei vom radioaktiven Niederschlag aus Tschernobyl stärker betroffen gewesen als andere Landesteile. Die Belastung sei aber andernorts je nach Region und Sorte stark unterschiedlich.

Für den Handel in der Europäischen Union (EU) gilt momentan ein Grenzwert von 600 Becquerel pro Kilogramm für die Belastung mit Cäsium. Für Milch und Säuglingsnahrung ist ein Grenzwert von 370 Becquerel pro Kilogramm festgesetzt. Das Umweltinstitut und der BN empfehlen eine Absenkung der Grenzwerte. Insgesamt sollten selbst gesuchte Pilze nur in Maßen gegessen werden, so die Experten. Vor allem Schwangere und Kinder sollten vorsichtig sein. Der BN-Landesbeauftragte Martin Geilhufe sagte, die Messergebnisse zeigten eindrucksvoll, "wie gefährlich Atomkraft ist".

Auf einer interaktiven Karte des Umweltinstituts können Verbraucher die Messergebnisse von Pilzen und Waldprodukten der vergangenen Jahre einsehen und sich einen Überblick verschaffen.