Erlangen (epd). Im Jahr 2022 lebte die Hälfte der Weltbevölkerung in Ländern, in denen die Wissenschaftsfreiheit seit 2012 stark zurückgegangen ist. Zu diesem Schluss kommt die Untersuchung von Forscherinnen und Forschern der Universität Göteborg und der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen (FAU) für den aktuellen Academic Freedom Index (AFI). Der Rückgang betreffe 22 Länder, in denen rund vier Milliarden Menschen leben, teilte die FAU am Donnerstag mit. Sowohl Demokratien als auch Autokratien seien betroffen.

Verschiedene Muster des Rückgangs zeigt der AFI exemplarisch an den vier bevölkerungsreichen Ländern China, Indien, Mexiko und den Vereinigten Staaten von Amerika. Indiens Rückgang in der Wissenschaftsfreiheit startete von einem vergleichsweise hohen Niveau, heißt es in der Mitteilung. Er sei die Folge einer Autokratisierung unter einer hindu-nationalistischen Regierung. China schränke ebenfalls den Handlungsspielraum von Universitäten weiter ein. In beiden Ländern zusammen leben 2,8 Milliarden Menschen. In den demokratischen Staaten Mexiko und USA zeige sich, dass gewählte Politikerinnen und Politiker versuchten, mit fiskalischen Mitteln und Personalpolitik mehr Kontrolle über Universitäten auszuüben. Dies wirke sich auf die Wissenschaftsfreiheit aus, so der Bericht.

Im untersuchten Zehn-Jahres-Zeitraum hat sich laut AFI die Wissenschaftsfreiheit in nur fünf Ländern verbessert, etwa in Usbekistan oder in Gambia. In 152 Ländern der Erde stagniert sie, oft auf einem zu niedrigen Niveau, heißt es in der Untersuchung.

Der AFI liefert Daten zur Wissenschaftsfreiheit weltweit für den Zeitraum 1900 bis 2022. Die systematische Erhebung stützt sich den Angaben nach auf Einschätzungen von 2.197 Länderexpertinnen und -experten aus der ganzen Welt. Der AFI setzt sich aus fünf Indikatoren zusammen. Die Freiheit der Forschung und Lehre, die Freiheit des akademischen Austauschs und der Wissenschaftskommunikation, die institutionelle Autonomie, die Campus-Integrität sowie die akademische und kulturelle Ausdrucksfreiheit.