Herzogenaurach (epd). Kanye West wird künftig keine Sportschuhe und -klamotten mehr für den weltbekannten Sportartikelhersteller Adidas entwerfen. Man habe die Zusammenarbeit mit dem auch als Ye bekannten Rapper und Musiker "mit sofortiger Wirkung beendet", teilte das Unternehmen am Dienstag im fränkischen Herzogenaurach mit. Auslöser für diese Entscheidung waren wiederholt antisemitische und rassistische Äußerungen des Rappers. Der Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, Josef Schuster, begrüßte den Schritt - und bezeichnete ihn als "überfällig".

Adidas teilte am Dienstagmittag mit, man dulde "keinen Antisemitismus und keine andere Art von Hassrede". Die jüngsten Äußerungen und Handlungen von Ye seien "inakzeptabel, hasserfüllt und gefährlich". Sie verstießen gegen die Werte von Adidas wie Vielfalt und Inklusion, gegenseitigen Respekt und Fairness. Adidas stoppe die Produktion von Produkten der Marke Yeezy sowie alle Zahlungen an Ye und seine Firmen. Die Entscheidung hat wirtschaftliche Folgen. Man rechne deshalb "mit bis zu 250 Millionen Euro" weniger Nettogewinn in diesem Jahr, teilte Adidas mit.

Zentralratspräsident Schuster sagte laut einer Mitteilung, der umstrittene US-Rapper sei "eines der populärsten Gesichter und Partner" von Adidas gewesen und habe mit seinen antisemitischen Ausfällen wochenlang weltweit für Aufsehen gesorgt: "Die täglich neuen Entgleisungen waren für Jüdinnen und Juden in Deutschland und in aller Welt unerträglich." Die Trennung sei richtig, aber überfällig: "Ich hätte mir von einem deutschen Unternehmen, das zudem in das NS-Regime verstrickt war, früher eine klare Haltung gewünscht." Eine frühere Trennung "wäre angebracht gewesen".

Adidas sei "lange auffällig still" geblieben, auch als West in einem Podcast sagte, er könne so viele antisemitische Dinge sagen, wie er wolle, Adidas würde ihn dennoch nicht rausschmeißen, sagte der Zentralratspräsident. Erst als sich andere internationale Unternehmen wie die Modemarke Balenciaga von dem Künstler distanzierten und die Zusammenarbeit beendeten, habe Adidas reagiert. Schuster würdigte aber auch, dass Adidas viel getan habe, "um sich von seiner Vergangenheit zu distanzieren". Das Unternehmen engagiert sich etwa bei Kampagnen gegen Antisemitismus und Rassismus.

Vor der am Dienstagmittag veröffentlichten Entscheidung hatte der Zentralrat von Adidas gefordert, die Geschäftsbeziehung mit Kanye West zu beenden. Auch das Internationale Auschwitz Komitee äußerte sich ähnlich. Überlebende des Holocausts verfolgten Wests antisemitische Ausfälle "mit Entsetzen" und empfänden sie " als persönliche Angriffe gegen sich selbst und jüdische Menschen in aller Welt". Der Rapper sei "ein antisemitischer Brandstifter", der andere Menschen damit zu Hass, Gewalt und Zerstörung treiben will, hieß es in einer Mitteilung vor Bekanntgabe der Trennung.