Bamberg, München, Nürnberg (epd). Sehr schnell ist die Interim-Nachfolge im Erzbistum Bamberg geklärt. Das Bamberger Metropolitankapitel hat am Mittwoch Weihbischof Herwig Gössl zum Administrator gewählt. Nach dem Rücktritt des Bamberger Erzbischofs Ludwig Schick werde der 55-jährige Gössl das Erzbistum so lange leiten, bis Papst Franziskus einen neuen Erzbischof ernannt hat, teilte die Pressestelle mit. Zu seinem Ständigen Stellvertreter ernannte der Administrator den bisherigen Generalvikar Prälat Georg Kestel.
Herwig Gössl ist seit 2014 Weihbischof und Dompropst. 2022 übernahm er zudem die Leitung der Hauptabteilung Seelsorge im Erzbischöflichen Ordinariat, heißt es in der Mitteilung. Der 55-Jährige ist in Nürnberg aufgewachsen. 1993 wurde er zum Priester geweiht. Er war Kaplan in Bayreuth, Pfarrer im Dekanat Erlangen und ab 2007 Subregens am Bamberger Priesterseminar.
Der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) im Erzbistum Bamberg teilte am Mittwoch mit, er wolle bei der Bestellung des neuen Erzbischofs von Bamberg mitreden. Auch Vertreterinnen und Vertreter der Gläubigen sollten nach Beschlüssen des Synodalen Weges an der Liste mit den Namen möglicher Kandidaten mitwirken. Die Liste solle nicht mehr allein von den Priestern des Domkapitels erstellt werden. "Hier und jetzt zeigt sich, wie ernst es dem Klerus mit der Beschränkung der eigenen Macht und der Gewaltenteilung wirklich ist", erklärte die BDKJ-Diözesanvorsitzende Sonja Biller.
Mit Erzbischof Ludwig Schick habe der Jugendverband in den vergangenen Jahren sehr gut zusammenarbeiten können, so Biller. "Wir haben viele offene Gespräche geführt und er hatte für unsere Anliegen immer ein offenes Ohr." Schick habe sie unter anderem bei der Aktion Dreikönigssingen oder beim Engagement gegen rechten Populismus wie dem Projekt "Willensstark" unterstützt.
Der langjährige Bamberger Erzbischofs sei im Zusammenhang mit dem Synodalen Weg ein "Mahner und Reformer" gewesen, sagte am Mittwoch auch der Vorsitzende des Landeskomitees der Katholiken in Bayern, Joachim Unterländer. Schicks Vorschläge etwa zur Frauenweihe, zur Aufhebung des Pflichtzölibats oder zur Amtszeitbeschränkung für Bischöfe zeugten davon, dass er sich als Bischof Änderungen nicht verschlossen habe "und seine Kirche voranbringen und zukunftsfest machen will".
Die Nürnberger evangelische Regionalbischöfin Elisabeth Hann von Weyhern sagte dem Evangelischen Pressedienst (epd), sie habe Schick immer als "offen und gänzlich unprätentiös" erlebt. Er habe sich persönlich sehr in der Ökumene weltweit und vor Ort eingesetzt. Sie hob das Mitwirken des Erzbischofs beim Reformationsjubiläum 2017 hervor. Sie hoffe auf einen Nachfolger, mit dem es "in dieser ökumenischen Gesinnung" weitergehe, sagte die Regionalbischöfin. "Jemand, der im Blick hat, was die Kirche in Zukunft braucht, Aufbrüche zulässt, ehrlich nach innen schaut und die Aufgaben der Kirche in der Welt wahrnimmt".
Papst Franziskus hatte am Dienstag der Bitte des Bamberger Erzbischofs Ludwig Schick entsprochen, ihn von seinem Amt zu entpflichten. Mit seinem Rücktritt wolle der 73-Jährige die bevorstehenden wichtigen Entscheidungen und Weichenstellungen im Erzbistum einem jüngeren Nachfolger überlassen, hieß es. Schick war ab 2002 Erzbischof von Bamberg. Von 2006 bis 2021 war er Vorsitzender der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz.