Nürnberg (epd). Gut die Hälfte der Beschäftigten in Deutschland bekommt in diesem Jahr Weihnachtsgeld. Wie die der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) Mittelfranken am Freitag mitteilte, sind die Unterschiede aber groß: Laut aktueller Auswertung der Hans-Böckler-Stiftung erhalten 77 Prozent der Beschäftigten in tarifgebundenen Betrieben Weihnachtsgeld, während es ohne Tarifvertrag nur 41 Prozent sind. Auch die Höhe der Weihnachtsgelder schwanke enorm.

"Diese Zahlen sprechen eine deutliche Sprache", sagte Stephan Doll, Regionsgeschäftsführer des DGB Mittelfranken. Tarifverträge garantierten, dass Beschäftigte nicht nur sichere Einkommen, sondern auch spürbare Sonderzahlungen bekommen. "Gerade in Zeiten hoher Preise ist das Weihnachtsgeld für viele Familien eine finanzielle Entlastung - und es stärkt die regionale Kaufkraft", so Doll.

Tarifbindung geht zurück

Die Tarifbindung geht der Mitteilung zufolge zurück. Während im Jahr 2000 bundesweit noch 68 Prozent der Beschäftigten in tarifgebundenen Betrieben arbeiteten, sind es laut Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) im Jahr 2024 nur noch 49 Prozent. Beschäftigte ohne Tarifvertrag verdienen nach Berechnungen des DGB im Schnitt rund 23 Prozent weniger als vergleichbare Beschäftigte mit Tarifvertrag. Ein Hebel dafür liegt nach Ansicht des DGB Mittelfranken auf kommunaler Ebene. Städte und Landkreise könnten die Tarifbindung direkt fördern, indem sie Vergabeordnungen mit Tariftreue-Klauseln einführen, hieß es.

Scharf kritisierte der DGB Mittelfranken die Haltung der bayerischen Staatsregierung. Während Ministerpräsident Markus Söder als CSU-Vorsitzender auf Bundesebene den Koalitionsvertrag mitunterzeichnet hat, in dem ein Bundestariftreuegesetz vereinbart wurde, verhindere seine Landesregierung seit Jahren ein bayerisches Tariftreue- und Vergabegesetz.