Augsburg (epd). Die promovierte Chemikerin und Moderatorin Mai Thi Nguyen-Kim fürchtet um die zwischenmenschlichen Beziehungen in der Gesellschaft. "Ich mache mir wirklich Sorgen um unsere Empathie-Fähigkeit und um unser soziales Miteinander", sagte die 35-Jährige der "Augsburger Allgemeinen" (Samstag). Unser soziales Miteinander sei eine unserer größten menschlichen Errungenschaften, eine der Sachen, die uns von Tieren unterschieden, so Nguyen-Kim weiter. "Viele sagen, es sei die Intelligenz. Ja, vielleicht. Es ist aber vor allem auch diese Empathie-Fähigkeit und zu was sie einen bewegt. Ich finde es schon sehr erschreckend, wie soziale Medien unsere Empathie strapazieren."
Nguyen-Kim leitet die Wissenschaftssendung "Mai Think X - Die Show" auf ZDFneo. In dieser Woche endete die dritte Staffel. "Wir Menschen sind ja soziale Wesen, und zwar auch wirklich evolutionär so entwickelt. Man hat in der Gruppe gelebt und es war ein Überlebensvorteil, sich gut mit der Gruppe zu verstehen", sagte die Wissenschaftlerin. "Deswegen ist es nicht nur gesellschaftliche Konvention, wenn wir uns darum scheren, was jemand anderes über einen denkt und dass wir uns schämen, wenn wir etwas verbockt haben. Oder dass wir uns sehr freuen, wenn jemand einen lobt oder wenn man ein Like bekommt." Das Zwischenmenschliche sei tief verinnerlicht, weswegen auch Dopamin ausgeschüttet werde, so die Wissenschaftlerin, die auch Erklärvideos für Youtube dreht und zwei Bücher veröffentlicht hat.