Schnee, Regen, Starkregen oder längere Trockenheit: Innerhalb des Jahres werden sich durch die Klimakrise die Niederschlagszeiten noch stärker verschieben und immer schwerer vorhersagbar, sagt der Bayreuther Forscher Johannes Lüers.
"Wir können nicht mehr davon ausgehen, dass jeden Monat genügend Niederschlag fällt, um zum Beispiel die Grundwasserreserven aufzufüllen, was wichtig ist, wenn wir Trinkwasser haben möchten", sagte der Mikrometeorologe dem Evangelischen Pressedienst (epd). Dagegen steige das Risiko für Starkregen und Unwetter, die lokal zu Überschwemmungen führen können.
Dabei gebe es innerhalb Bayerns große Unterschiede.
"In Regionen wie Bamberg und um den Main herum bis Bayreuth fällt recht wenig Niederschlag."
Dies wirke sich auch direkt auf die Gewässer wie Flüsse aus. Eine Schifffahrt auf dem Main sei sowohl nicht möglich, wenn der Fluss zu wenig Wasser führt, als auch bei Hochwasser. "Aber es hat auch für die Ökologie der Flüsse eine große Bedeutung", betonte Lüers, der wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentrum für Ökologie und Umweltforschung der Universität Bayreuth ist.
Gerade im Sommer fielen kleinere Zuflüsse und Bäche regelmäßig trocken. "Das wirkt sich auch auf die Landwirtschaft, die Wälder und Moore in den Quellgebieten aus."
Steigende Verdunstung durch die Klimaerwärmung
Mit Sorge betrachtet Lüers eine gesellschaftliche Entwicklung, die hin zu weniger Klimaschutz führe. "Das heißt, die antreibende Kraft für den Klimawandel bleibt bestehen, auch wenn wir die Chance hätten, etwas zu ändern." Wenn es tendenziell immer wärmer werde, steige auch die Verdunstung. Niederschläge könnten also kaum noch das Grundwasser erreichen. Der Appell des Forschers ist daher, sich auch vor Ort für den Klimaschutz einzusetzen und die Verantwortung nicht weiterzuschieben.
"Die Konsequenzen treffen alle Menschen auf der Welt, egal, wo sie sich aufhalten. Deshalb müssen alle Menschen mitdenken."
Ein weiterer wichtiger Aspekt sei die Klimaanpassung. "Je länger wir damit warten, desto krasser werden die Entscheidungen sein müssen", sagte der Forscher. Generell sei auch privates Wassersparen und das Sammeln von Regenwasser sinnvoll. "Hier macht die Menge einen Unterschied, wenn möglichst viele mitmachen."
Es werde auch Zeiten geben, in denen der Wasserverbrauch von den Wasserwerken beschränkt werden müsse, "auch wenn man sich das lange für Deutschland nicht vorstellen konnte".
Fernwasserversorgung gewinnt für die Trinkwassersicherheit an Bedeutung
Zugleich müsse Wasser aus anderen Regionen in besonders trockene Gebiete transportiert werden. Bereits jetzt mache in Bayreuth die Fernwasserversorgung rund die Hälfte der Trinkwasserversorgung aus. "Aber diejenigen, die noch Wasser haben, geben das ja nicht freiwillig und in großen Mengen ab", gab Lüers zu bedenken. Daher sei beim Thema Klimakrise Vorsorge immer besser als Nachsorge.
Über die regionalen Folgen des Klimawandels spricht Johannes Lüers am 30. März im Rahmen des Wassermonats März bei einer Informationsveranstaltung des Evangelischen Bildungswerks Oberfranken-Mitte in Bayreuth. Der kostenlose Vortrag mit dem Titel "Viel zu nass, viel zu trocken!" beginnt um 19 Uhr im Seminarraum des Evangelischen Zentrums.