7.11.2018
Zum Tod verurteilte Christin Asia Bibi

Pakistan kapituliert vor dem islamistischen Mob

Die wegen angeblicher Blasphemie zum Tode verurteilte Christin Asia Bibi fürchtet um ihr Leben. Der Oberste Gerichtshof in Islamabad hatte das Todesurteil gegen die seit fast zehn Jahren inhaftierte Katholikin am 31. Oktober aufgehoben. Nachdem Islamisten auf die Straße gingen, kassierte die Regierung den Freispruch. Asia Bibi darf Pakistan nicht verlassen. Ihr Ehemann hat das Ausland um Hilfe für eine Ausreise und um Asyl für die Familie gebeten.
Islamisten fordern bei Demonstration in Pakistan den Tod der Christin Asia Bibi wegen angeblicher Blasphemie vor mehr als zehn Jahren (November 2018).
Islamisten forderten bei Demonstrationen in ganz Pakistan den Tod der Christin Asia Bibi.

Pakistans Regierung steht wegen seiner Kapitulation vor dem islamistischen Mob in der Kritik. Am vergangenen Freitag hatten die islamistischen Demonstranten, die das Land drei Tage lang mit Randalen, Plünderungen und Blockaden lahmgelegt hatten, erzwungen, dass die etwa 50-jährige Asia Bibi trotz eines Freispruchs Pakistan nicht verlassen darf. Die Regierung gab den Forderungen der Islamisten nach, eine Ausreisesperre gegen Bibi zu verhängen. Bibis Ehemann wandte sich in einem dramatischen Appell an andere Länder, ihm und Bibi Asyl zu gewähren.

Der Anwalt der freigesprochenen Christin hat Pakistan inzwischen verlassen, weil er um sein Leben fürchtete. Der 62-jährige Saif ul Mulook hatte fast zehn Jahre damit zugebracht, die wegen Gotteslästerung zum Tode verurteilte Frau vor dem Galgen zu retten. "Ich muss am Leben bleiben, weil ich den Rechtsstreit für Asia Bibi weiterführen muss", zitierte ihn die Zeitung Dawn.

Auch den Tod der Richter gefordert

Die religiösen Hardliner fordern den Tod von Bibi und den verantwortlichen drei Richtern. Außerdem verlangen sie, dass der Fall vor Gericht neu verhandelt wird – mit anderen Richtern. Die Regierung gab dem zum Teil nach und verpflichtete sich, keinen Widerstand gegen die Wiedervorlage des Falls Bibi beim Obersten Gericht zu leisten. Im Gegenzug beendeten die Demonstranten unter Führung des radikalen Predigers Khadim Hussain Rizvi ihre Proteste.

Angesichts der bedrohlichen Situation bat der Ehemann von Bibi, Ashiq Masih, Kanada, die USA und Großbritannien darum, der Familie zu helfen. "Die augenblickliche Situation ist sehr gefährlich für uns. Wir haben keine Sicherheit und müssen oft unseren Aufenthaltsort wechseln", erklärte Masih. "Helft uns, das Land zu verlassen."

Bankrotterklärung des Rechtsstaats

Die Gesellschaft für bedrohte Völker rief die UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, Michelle Bachelet, dazu auf, sich für einen wirksameren Schutz religiöser Minderheiten und ihrer Rechtsvertreter in Pakistan einzusetzen. "Es ist skandalös, dass der Rechtsanwalt Asia Bibis glaubt, nur durch eine Flucht ins Ausland seine Ermordung durch Extremisten abwenden zu können", sagte der Direktor der Göttinger Gesellschaft, Ulrich Delius. Er nannte das Einlenken der Regierung eine Bankrotterklärung des Rechtsstaats gegenüber dem Druck islamistischer Bewegungen. Der "skandalöse Deal" mache Pakistans Rechtssystem zur "Beute des islamistischen Mobs".

In einem bahnbrechenden Urteil hatte das Oberste Gericht Pakistans zunächst das Blasphemie-Todesurteil gegen Asia Bibi aufgehoben. Die Richter in Islamabad ordneten zudem die sofortige Freilassung Bibis an, die seit fast zehn Jahren in Haft ist.

Die fünffache Mutter war 2009 nach einem Dorfstreit um ein Glas Wasser wegen Gotteslästerung angezeigt worden. Ein Gericht verurteilte sie 2010 zum Tode. Der Fall Asia Bibi hatte in den vergangenen Jahren immer wieder zu Spannungen und auch Gewalt geführt. Ein Jahr nach dem Todesurteil wurde der Gouverneur der Punjab-Provinz, Salman Taseer, von seinem eigenen Bodyguard umgebracht, weil er sich für die Freilassung von Bibi eingesetzt hatte.

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