18.10.2020
Landessynode 2020

Synodaler Markus Buntfuss über die Landessynode, Kirche und Bildung

Der evangelische Theologe Markus Buntfuß ist Professor an der Augustana-Hochschule Neuendettelsau und Mitglied der bayerischen Landessynode 2020. Im Interview erklärt er, warum Digitalisierung wichtig ist - und Kirche eine geistige Erneuerung braucht.
Markus Buntfuss
Wie schätzen Sie die Zukunft der evangelischen Kirche ein?
Buntfuss: Die kommenden Jahrzehnte werden aller Voraussicht nach große Veränderungen für die evangelischen Kirchen in Deutschland mit sich bringen: weniger Mitglieder, weniger Geld, weniger theologischen Nachwuchs und weniger gesellschaftlichen Einfluss. Aber darin sehe ich auch große Chancen für eine organisatorische und geistige Erneuerung der Kirchen.
Welche Themen bewegen Sie persönlich – und warum?
Buntfuss: Ich bin beruflich mit der Geschichte und der Gegenwart des Christentums befasst. Das erlebe ich täglich als Berufung. Mich interessiert die religiöse Dimension des Lebens und ihre christlichen Erscheinungsformen in Liedern und Literaturen, in Bildern und Bauten, in der persönlichen Lebensführung des Einzelnen und in der gemeinschaftlichen Weltgestaltung christlicher Kirchen und Gruppen.
Wie bewerten Sie das Thema "Digitalisierung" im Bereich von Kirche und Diakonie?
Buntfuss: An dem Thema kommen Kirche und Diakonie nicht vorbei und es eröffnet Möglichkeiten, die zum Besten der Menschen genutzt werden sollten. Aber es ersetzt nicht die persönliche Begegnung und die analoge und leibhaftige Kommunikation zwischen den Menschen.
Eines der größten Glaubensgeheimnisse des Christentums ist die Inkarnation des Wortes, die Verkörperung des Göttlichen. Digitalisierung bedeutet Dekarnation, also Entleiblichung und Entsinnlichung. Das beurteile ich grundsätzlich kritisch.

Markus Buntfuß

Markus Buntfuß ist Professor für Systematische Theologie an der Augustana-Hochschule Neuendettelsau.

Die Augustana-Hochschule ist die Theologische Hochschule der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern. Der Studiengang "Evangelische Theologie" endet mit dem Abschluss "Kirchliches Examen" und ist den staatlichen theologischen Fakultäten gleichgestellt. Die Augustana-Hochschule wurde 1947 auf dem Hintergrund der Erfahrungen in der Zeit des Nationalsozialismus von der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche in Bayern ins Leben gerufen. Es sollte sichergestellt werden, dass theologische Lehre und Forschung auch unabhängig von staatlicher Einflussnahme stattfinden kann.

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