Gemeinde
St. Matthäus in Augsburg hat sich eine eigene TV-Regie eingerichtet. Das ist gerade im Lockdown ein Segen. Die Technik dafür will sie auch anderen Gemeinden anbieten.
Pfarrer Thomas Bachmann, Technik-Chef Christian Künkel und Regie-Techniker Johannes Neudert (v.li.)
Den ganzen Kirchenraum im Blick: Pfarrer Thomas Bachmann, Technik-Chef Christian Künkel und Regie-Techniker Johannes Neudert (v.li.) verfolgen im Regieraum die Kameraführung.

Der Bau auf der Seitenempore der evangelischen Kirche St. Matthäus in Augsburg ist unübersehbar: Auf Höhe des Altars erstreckt er sich über die gesamte Breite der Empore. Das Innere des etwa zehn Quadratmeter großen und zweieinhalb Meter hohen Raums ist voll mit moderner TV-Technik: Bildschirme, Mischpulte, Computer, Steuerkonsolen. Über den Monitoren hängt ein rotes Licht mit der Aufschrift "On Air" – "Auf Sendung". 

"Bei besonders lebhaften Gottesdiensten arbeiten hier auch einmal mehrere Personen", sagt Christian Künkel: "Aber natürlich immer so, dass es mit den Corona-Bestimmungen vereinbar ist." Künkel ist Kirchenvorstand und leitet den Bereich Technik der Gemeinde.

Zusammen mit rund 25 ehrenamtlichen Helfern sorgt er dafür, dass Gottesdienste, Andachten oder Gebetsabende live in die Wohnzimmer der Gemeindemitglieder  übertragen werden.

"Wir streamen mittlerweile alle unsere Veranstaltungen", sagt Künkel.

Mit dem neuen TV-Regieraum sei das so möglich, dass etwa der Ablauf eines Gottesdienstes möglichst wenig gestört wird.

Viele können die Gottesdienste nicht persönlich besuchen

Es gebe viele Menschen, die nicht persönlich in der Kirche vorbeikommen können, sei es – wie derzeit gerade – wegen des Corona-Lockdowns oder aus anderen Gründen, sagt Pfarrer Thomas Bachmann: "Die Live-Übertragungen sind unser Dienst an ihnen."

Bereits vor vier Jahren hat Bachmann in seiner Kirchengemeinde damit begonnen, die sogenannte "Church-Night" – einen speziellen Abendgottesdienst mit Live-Musik – aufzuzeichnen und auf die Internetseite der Gemeinde zu stellen. Bald sei in der Gemeinde der Wunsch entstanden, Gottesdienste live zu übertragen.

"Als im vergangenen Jahr Corona kam, war es keine Frage mehr, dass wir das machen."

Zunächst baute die Gemeinde ein offenes Studio in der Kirche auf. Dann entschloss sie sich dazu, den schallgedämmten Regieraum auf der Empore einzurichten. Die Kosten von rund 40.000 Euro kamen über Spenden zusammen. Mehrere Monate lang verlegten ehrenamtliche Helfer meterweise Kabel, fertigten einen Regietisch, bauten Fernseh- und Computertechnik ein. Entstanden ist eine hochmoderne TV-Regie, von der aus die Live-Übertragungen gesteuert werden.

Etliche Monitore zeigen die Bilder der fünf Kameras
Etliche Monitore zeigen die Bilder der fünf Kameras. Gebaut haben die Gemeindemitglieder den Regieraum mit ehrenamtlicher Arbeit selbst. Finanziert wurde das Projekt über Spenden.

Fünf hochauflösende Kameras stehen dafür im Kirchenraum zur Verfügung. "Wenn bei einer Veranstaltung viel los ist, wird jede Kamera einzeln bedient", sagt Christian Künkel. Bei normalen Gottesdiensten sind die Kameras fest installiert – und werden von der Regie aus gesteuert.

"Wir können von hier aus auch Text auf die Leinwand im Kirchenraum übertragen oder bei interaktiven Gottesdiensten Fragen der Online-Nutzer weitergeben – etwa zur Predigt, die sie gerade gehört haben", sagt Johannes Neudert, der während der Übertragungen für die Regie verantwortlich ist.

Übertragen wird auf Youtube, Facebook und Bibel TV

Zu sehen sind die Live-Übertragungen auf drei Kanälen: der Video-Plattform Youtube, dem Sozialen Netzwerk Facebook und auf der Internetseite von Bibel TV. Die Youtube-Sendungen normaler Gottesdienste verzeichneten rund 300 Aufrufe, sagt Thomas Bachmann: "Im Schnitt dürften dabei jeweils zwei Menschen pro Aufruf zusehen." Hinzu kommen Nutzer auf Facebook und bei Bibel TV.

Aus seiner Gemeinde sei das Streaming-Angebot nicht mehr wegzudenken, sagt Bachmann – auch nach Corona nicht. "Wir wollen auch andere Gemeinden dazu ermutigen." So biete man Beratung bei ähnlichen Projekten an.

Außerdem soll es bald ein kleines, mobiles Studio inklusive Kameras geben, dass sich Gemeinden ausleihen können. Das Streamen von Gottesdiensten sei ein zusätzlicher Aufwand, sagt Bachmann – doch er lohne sich: "Weil dadurch Menschen zu Christus finden und Nachfolger Jesu im Alltag werden können."

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