Wenn das Weihnachtsessen verspeist ist, die Geschenke ausgepackt und endlich Ruhe am Heiligen Abend einkehrt, hören sich viele Menschen einen Gottesdienst im Radio an. Der Bayerische Rundfunk überträgt in diesem Jahr live eine Christmette aus der Maria-Himmelfahrt-Kirche in Bad Kötzting. Zelebrant und Prediger ist Thomas Winderl - ein Outdoor-Fan, Coach und katholischer Pfarrer. Er wolle keine "perfekte Feier", sagt er.

Herr Winderl, eine Live-Übertragung ist schon etwas Aufregendes. Haben Sie schon Lampenfieber?

Thomas Winderl: Aufregend ist es tatsächlich, aber Lampenfieber habe ich nicht. Ich freue mich darauf und finde es wichtig, dass Gottesdienste auch im Radio übertragen werden. Immer wieder erzählen mir vor allem ältere Leute, die nicht mehr zur Kirche kommen können, wie wichtig ihnen der Gottesdienst am Radio ist. Wenn ich darüber nachdenke, dann war ich eigentlich vor keinem Gottesdienst aufgeregt, weder bei meinem ersten, den ich allein gehalten habe, noch bei einer großen Feier im Dom, bei der ich als Diakon mitgewirkt habe. Es geht ja bei keinem Gottesdienst um mich, sondern immer um den Gott, den wir feiern. Und wenn er will, dass es gut gelingt, dann wird er das schon machen. Es gibt wohl nie die perfekte Idee, aber ich vertraue darauf, dass Gott das Seine dazu beiträgt, dass seine Botschaft bei den Menschen ankommt.

"Ich selbst hatte lange Zeit eher einen schwierigen Zugang zum Weihnachtsfest, mir war es zu idyllisch, zu harmonisch, zu viel Glitzer"

Sie sind katholischer Pfarrer. Wie ökumenisch wird die Christmette sein - und haben auch Evangelische etwas von Ihrer Predigt?

Es ist zwar eine katholische Eucharistiefeier, aber wenn es ums Thema "Menschwerdung" geht, betrifft das eigentlich jeden, egal ob evangelisch, katholisch oder nicht kirchlich gebunden. Ich glaube, das, was wir an Weihnachten feiern, hat mit dem Menschsein an sich zu tun. Ich würde mir wünschen, dass die Zuhörenden etwas von dem Schönen unseres christlichen Glaubens als Bereicherung für ihr Leben mitnehmen können.

Ich selbst hatte lange Zeit eher einen schwierigen Zugang zum Weihnachtsfest, mir war es zu idyllisch, zu harmonisch, zu viel Glitzer. Entscheidend war dann, dass ich erkannt habe, dass ich nicht nur diesen großen Gott feiere, der Mensch wird, sondern die Menschwerdung Gottes, die Tatsache, dass er darauf verzichtet, "nur" Gott zu sein, und uns als Mensch ganz nah sein will, das hat etwas mit uns Menschen zu tun. Er erhebt uns und gibt uns die Erlaubnis, Mensch zu werden. Das heißt, nicht perfekt Mensch zu sein, sondern ein echtes Menschsein mit Ecken und Kanten, mit Untiefen, manchmal auch nicht-schönen Seiten. Wenn Gott Mensch wird, darf ich das erst recht werden. Diese Erlaubnis gibt er uns Weihnachten.

Wenn man so etwas zum ersten Mal macht, wünscht man sich natürlich, dass alles reibungslos verläuft. Was darf denn auf keinen Fall schiefgehen?

Ich möchte nicht, dass es eine perfekte Feier wird, die einfach nur reibungslos abläuft. Sie muss das Herz ansprechen und zum Nachdenken anregen. Wenn die Menschen das Gefühl hätten, da wird etwas abgespult, dann ist viel schiefgegangen. Es soll eine Feier des Glaubens werden, kein gestylter Gottesdienst mit viel Glitzeranstrich.