Nürnberg (epd). Das etablierte System der Altkleidersammlung kommt an seine Grenzen: In allen deutschen Städten gebe es Probleme mit der Entsorgung, erklärte am Dienstag die Nürnberger Umweltreferentin Britta Walthelm im Gebrauchtwarenhof des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) in Nürnberg. Man kämpfe in Krisenzeiten gegen rapide sinkende Preise für Alttextilien wegen der fehlenden Absatzmärkte in Osteuropa und Afrika und zugleich mit Müllproblemen in und an den Kleidercontainern selbst.
"Unser Grundproblem ist einfach, dass mehr Kleidung gekauft und nur sehr kurz getragen wird", sagte Walthelm und appellierte an die Verbraucherinnen und Verbraucher, sich gründlich zu überlegen, ob sie ein neues Teil wirklich brauchten, um so die Altkleidermenge zu reduzieren. 2023 seien 175.000 Tonnen Bekleidungsmüll in Deutschland eingesammelt worden, 55 Prozent mehr als im Jahr 2013, habe das Statistische Bundesamt ermittelt.
Das Rote Kreuz in Nürnberg sammelt nach seinen Angaben pro Jahr 2.550 Tonnen Altkleider in den Containern und 150 Tonnen an den Nürnberger Wertstoffhöfen ein. Etwa 12 Prozent davon sortiert und verwertet das BRK selbst, der Rest geht an gewerbliche Sortieranlagen. Für den Verkauf erhalte man auf dem Markt momentan 50 Euro pro Tonne, berichtete der Abteilungsleiter Gebrauchtwaren und Wertstoffe, Helmut Huber. Anfang vergangenen Jahres seien es noch 250 Euro gewesen. In den 540 Altkleidercontainern des BRK in Nürnberg lande zudem oft stark verschmutzte und kaputte alte Kleidung. Motorölbehälter oder Essensreste würden zuvor noch verwertbare Kleidung im Container unbrauchbar machen. In der vergangenen Woche sei in einem der Container eine tote Katze gelegen.
Um dem Problem zu begegnen, werden in der Stadt nun sukzessive 20 Prozent der Altkleidersammelstellen aufgegeben und probehalber durch ein "Thekensystem" ersetzt. An den Wertstoffhöfen werde dafür Personal direkt bei der Abgabe die Kleidung sortieren. Im Gebrauchtwarenhof in Nürnberg würden die Öffnungszeiten erweitert und in Stadtteilen im Süden und Südwesten an bestimmten Terminen mobile Sortierstationen angeboten. "Es wird keiner seine gammligen Klamotten jemandem direkt in die Hand drücken und sagen: 'Das spende ich dir'", ist der Effekt, den sich Huber von der Maßnahme erhofft.