München (epd). Ein Bündnis aus mehreren Gruppen fordert die Absage des für diesen Samstag (15. Juli) geplanten Konzerts der Band "Ska-P" auf dem Münchner Tollwood-Festival. Die Unterzeichner eines offenen Briefs an die Veranstalter werfen der Band Antisemitismus und Antiziganismus vor, wie es in einer Mitteilung vom Montag heißt. Der Brief wurde vom Verband Jüdischer Studenten in Bayern, dem Verband Deutscher Sinti und Roma in Bayern, dem Jungen Forum der Deutsch-Israelischen Gesellschaft München und dem Linken Bündnis gegen Antisemitismus in München verfasst und veröffentlicht.

Konkret werfen die Unterzeichner der Band vor, in ihrem Song mit dem Titel "Intifada" eine Täter-Opfer-Umkehr vorzunehmen. Es sei ein "beliebter Topos im Antisemitismus und seit dem 19. Jahrhundert" gang und gäbe, Jüdinnen und Juden für das ihnen angetane Unrecht verantwortlich zu machen. In diesem Fall würden die Opfer des NS-Massenmords an den Juden zu "Henkern" umstilisiert, beklagen die Organisationen. Zudem sei die Bühnenshow der Band antiziganistisch, weil sich ein Bandmitglied für mehrere Minuten während eines anderen Songs als "stereotypische Zigeunerin mit Glaskugel" verkleidet hatte.

Die Festival-Veranstalter reagieren prompt: Sie distanzieren sich vom Inhalt des kritisierten Songs "Intifada", eine Absage des Konzerts der "linksorientierten Band mit sozialkritischen Texten" gebe es aber nicht. Man stehe zur "Kunst- und Meinungsfreiheit", solange sie im demokratischen Rahmen bleibe. 

In der Stellungnahme des Tollwood-Festivals heißt es, man habe grundsätzlich nur "eine begrenzte Handhabe in der inhaltlichen Gestaltung der Konzerte". Man distanziere sich von diesem einen Song aus dem Jahr 2002, den die Band "Ska-P" als Kritik an den israelischen Militärs verstehe. "Eine Einordnung als antisemitische Band im Gesamt-Schaffenswerk ist für uns nicht erkennbar", heißt es in einer Stellungnahme des Tollwood auf eine Anfrage des Evangelischen Pressedienstes (epd). Vielmehr handle es sich um eine renommierte Band, die in diesem Jahr mit zahlreichen Konzerten und Auftritten auf Festivals ihre Abschiedstournee gebe.

Der Song stehe "nicht auf dem Index", dennoch nehme man als Veranstalter die Kritik "an diesem Liedtext sehr ernst". Man sei mit der Band im Austausch über die vorgebrachten Vorwürfe. Man habe "auch darum gebeten", dass dieser Song in München nicht gespielt wird, heißt in der Tollwood-Reaktion auf den offenen Brief weiter.