München (epd). Das Ende der friedlichen Nutzung der Kernenergie in Deutschland haben am Wochenende rund 1.500 Menschen auf dem Münchener Odeonsplatz gefeiert. Ein Bündnis von Umweltverbänden hatte laut Mitteilung das Fest zur Abschaltung der letzten drei deutschen Atomkraftwerke, darunter Isar 2 bei Landshut, organisiert. Der Vorsitzende des BUND, Richard Bergner, warf in seiner Eröffnungsrede der bayerischen Staatsregierung eine "verschleppte Energiewende" vor.
Stefan Krug, Leiter des bayerischen Greenpeace-Büros, kritisierte eine "Panikmache" von Union und FDP vor Stromausfällen. "Atomstrom wird für eine sichere Versorgung nicht benötigt", sagte er. Bei der Feier wurde symbolisch ein großer Schalter umgelegt, der das Ende der Atomkraftwerke und das Hochfahren erneuerbarer Energien symbolisierte.
Ministerpräsident Markus Söder (CSU) möchte allerdings Atomkraftwerke wie den abgeschalteten Meiler Isar 2 in Landesverantwortung weiter betreiben. "Bayern fordert deshalb vom Bund eine eigene Länderzuständigkeit für den Weiterbetrieb der Kernkraft", sagte Söder der "Bild am Sonntag" in Berlin. Solange die Krise nicht beendet und der Übergang zu den Erneuerbaren nicht gelungen sei, müsste man bis zum Ende des Jahrzehnts jede Form von Energie nutzen, hieß es weiter.
Der FDP-Fraktionsvorsitzende im bayerischen Landtag, Martin Hagen, nannte Söder wegen dieser Äußerungen einen Wendehals: "Er war ja eine treibende Kraft hinter dem Atomausstieg." Die FDP habe zwar grundsätzlich Sympathie für einen längeren Betrieb von Kernkraftwerken. Allerdings wäre der Freistaat bei einem AKW-Betrieb in Eigenregie auch für den anfallenden Atommüll verantwortlich. "Wo in Bayern gedenkt der Ministerpräsident, ein Endlager zu errichten?", fragte Hagen.
Söder sagte weiter, dass es zudem dringend eine nationale Forschungsstrategie für eine Nutzbarkeit des Atommülls brauche. Der CSU-Vorsitzende: "Wir sind es unseren künftigen Generationen schuldig, nicht nur über ein Endlager in ferner Zukunft zu diskutieren, sondern innovative Pläne für eine verantwortungsvolle und technologische Lösung zu entwickeln."
Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) wirbt dafür, deutsche Kernkraftwerke betriebsfähig zu halten. Bei einer möglichen Abkehr vom Atomausstieg könnten sie dann wieder hochgefahren werden, sagte Aiwanger dem Radiosender "Bayern 2". Andernfalls müsste der Strombedarf auf andere Weise kompensiert werden, etwa "mit mehr Kohlestrom aus dem Norden und Osten, mit mehr Gasstrom auch aus Bayern, mit Atomstrom aus Tschechien und Polen", gab der Politiker zu bedenken.
In Deutschland sind die letzten drei Kernkraftwerke am späten Samstagabend vom Netz gegangen. Mit der Abschaltung von Isar 2 in Bayern, Neckarwestheim 2 in Baden-Württemberg und Emsland in Niedersachsen ist der Ausstieg aus der Atomenergie nach rund sechs Jahrzehnten abgeschlossen: Der erste Meiler in der Bundesrepublik nahm 1960 den Betrieb auf, in der DDR begann die Nutzung der Technologie zur Stromerzeugung 1966.