Budapest, Nürnberg (epd). Die vorletzte von zehn Ausstellungen des Projekts "Evangelische Migrationsgeschichte(n)" ist nun im evangelischen Landesmuseum Budapest eröffnet worden. Wie der Leiter des europäischen Kooperationsprojekts, der Historiker Thomas Greif, am Dienstag dem Evangelischen Pressedienst (epd) sagte, trägt sie den Titel "Herausforderung und Chance. Flüchtlinge in der evangelischen Kirche zwischen den beiden Weltkriegen". Die Ausstellung, zu der deutsche Texte via QR-Code verfügbar sind, ist bis zum 29. Oktober zu sehen.
Die Schau thematisiere die Folgen des Zusammenbruches des Königreiches Ungarn nach dem Ersten Weltkrieg, teilte Greif mit. Im Vertrag von Trianon musste Ungarn große Teile seines vormaligen Staatsgebietes an die teilweise neu entstehenden Nachbarstaaten wie die Tschechoslowakei, Slowenien oder Rumänien abtreten. Über eine Million Ungarn flüchteten aus diesen Ländern in den verbleibenden Kernstaat. "Trianon" gelte bis heute als unbewältigtes Trauma der ungarischen Nation.
"Ein anderer Blick auf unsere Vergangenheit kann uns helfen, dieses Trauma zu überwinden," sagte Kurator Botond Kértezs bei der Eröffnungsveranstaltung im Rahmen der "Budapester Nacht der Museen". Loyalität und der Lebenswille der Flüchtlinge hätten entscheidend dazu beigetragen, ein dem Untergang geweihtes Land wiederzubeleben. Besonders für die evangelisch-lutherische Kirche, die auch Partnerkirche der bayerischen Landeskirche ist, sei diese Zeit eine Periode des Aufbruches und Neuanfangs gewesen.
In Budapest endet das Projekt "Evangelische Migrationsgeschichte(n)" im Herbst mit einer wissenschaftlichen Tagung zum Thema "Digitalisierung in Museen". Im Gemeinschaftsprojekt haben sich zehn protestantische Museen aus sechs Ländern zusammengetan, die alle im Jahr 2023 eine Ausstellung zeigen, die sich mit Migration befasst. Es sind Einrichtungen in Frankreich, Österreich, Rumänien, Slowenien, Deutschland und Ungarn. Die EU fördert das Projekt, zu dem ein gemeinsamer 300-seitiger Begleitband erschienen ist.