Nürnberg, Sibiu (epd). Im rumänischen Sibiu (Hermannstadt) ist am Wochenende die fünfte von zehn Ausstellungen der europäischen Museumskooperation "Evangelische Migrationsgeschichte(n)" eröffnet worden. Die Ausstellung, die im evangelischen Kulturzentrum Friedrich Teutsch bis zum 30. Oktober gezeigt wird, trägt den Titel "Migrationsgrund Religionsfreiheit. Siebenbürgische Persönlichkeiten aus dem 16. bis 20. Jahrhundert", teilte Projektleiter Thomas Greif am Montag mit.
Museumsleiterin Heidrun König verwies bei der Eröffnung auf die historisch außergewöhnliche Glaubensfreiheit, die im 16. und 17. Jahrhundert in Siebenbürgen bestand, während etwa im Heiligen Römischen Reich die Untertanen verpflichtet waren, die Konfession des Landesherrn anzunehmen. "So kamen Glaubensflüchtlinge aus ganz Europa zu uns", berichtete König.
Unter ihnen seien Persönlichkeiten wie Paul Wiener, der erste Superintendent der siebenbürgischen Kirche, gewesen oder der Goldschmied Sebastian Hann, der wie viele andere Künstler im 17. Jahrhundert aus der oberungarischen (slowakischen) Zips nach Hermannstadt auswanderte. Siebenbürgen gehört seit dem Ende des Ersten Weltkrieges zu Rumänien. Von der deutschen Volksgruppe der Siebenbürger Sachsen, die die Region fast 800 Jahre lang prägte, leben heute noch rund 11.000 in dem Land.
Im Gemeinschaftsprojekt "Evangelische Migrationsgeschichte(n)" haben sich zehn protestantische Museen aus sechs Ländern zusammengetan, die alle im Jahr 2023 eine Ausstellung zeigen, die sich mit Migration befasst. Es sind Einrichtungen in Frankreich, Österreich, Rumänien, Slowenien, Deutschland und Ungarn. Die EU fördert das Projekt, zu dem ein gemeinsamer 300-seitiger Begleitband erschienen ist. Schirmherr ist der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm.