München (epd). Zwei Jahre nach der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan fordert der Bayerische Flüchtlingsrat ein eigenes Landesaufnahmeprogramm in Bayern für schutzbedürftige afghanische Familienangehörige. "Wir fordern Bayern auf, Verantwortung für bedrohte Afghan* innen zu übernehmen, statt an den Bund zu verweisen", sagte Naqib Hakimi vom Bayerischen Flüchtlingsrat am Montag in München. Seit die Taliban am 15. August 2021 wieder die Macht in Afghanistan übernommen hätten, würden die Menschenrechte dort nicht mehr gelten, sagte Hakimi. Besonders bedroht seien Frauen und Frauenrechtlerinnen, ehemalige Ortskräfte sowie ehemalige Mitarbeitende der afghanischen Regierung.

Die in Bayern lebenden Ortskräfte und Afghanen fühlten sich im Stich gelassen, hieß es weiter. Sie seien 2021 und 2022 mit der Hoffnung ausgereist, ihre Familienangehörigen so schnell wie möglich nachholen zu können. Doch dies sei entweder sehr langwierig oder sogar unmöglich. In normalen Familiennachzugsfällen ohne Schnellverfahren müssten die Menschen lange auf einen Termin bei der Botschaft warten und viel Geld für die Passbeschaffung bezahlen, was eine hohe oder unüberwindbare Hürde darstelle. Wenn es sich nicht um Angehörige der Kernfamilie handele, gebe es gar keine Option der Familienzusammenführung.

Für tausende solcher Menschen, deren Leben in Gefahr sei, bliebe momentan nur das limitierte Bundesaufnahmeprogramm, hieß es in der Mitteilung. Eigene Landesaufnahmeprogramme für schutzbedürftige afghanische Familienangehörige gibt es aktuell in Berlin, Bremen, Hessen und Thüringen.