Berlin, München (epd). Fast zwei Drittel (63 Prozent) der Bürger in Bayern finden, dass die Politik nicht genug für das friedliche Zusammenleben der Menschen mit Wölfen und Bären tue. Insgesamt sind 60 Prozent der Menschen in Deutschland unzufrieden mit der Wildtierpolitik, wie eine aktuelle Umfrage im Auftrag der Umweltschutzorganisation WWF ergab. Damit sei Bayern bundesweit Schlusslicht bei der Zufriedenheit, teilte der WWF am Dienstag in Berlin mit. Die sechs unzufriedensten Landkreise liegen laut Umfrage in Bayern (Freising, Berchtesgadener Land, Cham, Neustadt an der Waldnab, Tirschenreuth, Bayreuth).
Der WWF fordert die Bayerische Staatsregierung auf, die Sorgen und Vorbehalte der Menschen mit effektivem Wildtiermanagement abzubauen. "Statt im Wahlkampf immer wieder mit der populistischen Keule nach mehr Abschüssen zu rufen, sollte die CSU lieber den Herdenschutz vorantreiben", sagte der WWF-Wildtierexperte Moritz Klose. Weidetierhalter brauchten dafür geeignete Zäune, gut trainierte Herdenschutzhunde, ausreichende Schulungs- und Beratungsangebote sowie finanzielle Unterstützung.
Gerade in Bezug auf das Auftauchen von Bären würden Tierhalter und Wanderschäfer im Freistaat mit den Herausforderungen alleine gelassen, kritisierte der WWF. Zäune und Herdenschutzhunde seien derzeit nur in den ausgewiesenen bayerischen Wolfsgebieten förderfähig. Weidetierhalter, die sich auf den Bären vorbereiten wollten, erhielten keine Förderung für Herdenschutzmaßnahmen. So sieht auch nur weniger als die Hälfte der Menschen in Bayern (47,5 Prozent) eine Rückkehr einzelner Bären positiv.
Bei Wölfen stehen 52 Prozent der Bayern einer Rückkehr der Tiere positiv gegenüber. Schon jetzt dürften problematische Wölfe mit Ausnahmegenehmigung getötet werden, außerdem würden Herdenschutzmaßnahmen wie Zäune gegen Wölfe teilweise zu 100 Prozent gefördert, sagte Klose. Besonders groß ist die Zustimmung zu einer Rückkehr des Luchses: Sie sehen 75 Prozent der Menschen in Bayern positiv.
Das Meinungsforschungsinstitut Civey hat für den WWF vom 4. bis 8. August 2023 rund 10.000 Bundesbürger ab 18 Jahren online befragt. Die Ergebnisse sind den Angaben zufolge unter Berücksichtigung des statistischen Fehlers repräsentativ für die deutsche Bevölkerung ab 18 Jahren.