Berlin (epd). Mehr als ein Viertel aller Schülerinnen und Schüler, die bundesweit einen islamischen Religionsunterricht besuchen, kommt aus Bayern. Die Zahl sei deutschlandweit innerhalb von drei Jahren von 60.000 auf nun etwa 69.000 Mädchen und Jungen gestiegen, wie eine am Donnerstag in Berlin verbreitete Recherche des "Mediendienstes Integration" bei den Kultusministerien ergab. In Bayern besuchten demnach im Schuljahr 2021/2022 rund 18.000 Schülerinnen das staatlich organisierte Fach Islamische Religionskunde.
Die jeweiligen Angebote in den Bundesländern unterscheiden sich demnach sehr stark. In den fünf ostdeutschen Bundesländern wird laut der Recherche gar kein islamischer Religionsunterricht angeboten. In einigen Ländern seien die Angebote für muslimische Schüler in den vergangenen Jahren ausgebaut worden. In Bayern sei das Modellprojekt 2021 in ein ordentliches Fach überführt worden. Hamburg werde zum neuen Schuljahr den Religionsunterricht für alle flächendeckend einführen. In anderen Ländern stagniere die Entwicklung.
Bekenntnisorientierten Unterricht, den islamische Gemeinschaften organisieren, gibt es laut Mediendienst Integration in Berlin, Niedersachsen und Hamburg. Islam- oder Religionskunde in staatlicher Verantwortung wird den Recherchen des Mediendienstes zufolge in Bayern, Schleswig-Holstein, teils in Hessen und in Bremen gelehrt - es ist demnach explizit kein bekenntnisorientiertes Angebot. In Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Hessen, Rheinland-Pfalz und im Saarland würden Modellprojekte erprobt.
Laut bayerischem Kultusministerium erfüllt "keine der in Deutschland tätigen Organisationen" vollständig die Merkmale einer islamischen Religionsgemeinschaft, daher verantworte der Freistaat das Fach. Muslimische Verbände kritisieren das Vorgehen der bayerischen Staatsregierung und möchten Mitsprache beim Unterricht haben, sie sehen ihr Grundrecht auf religiösen Unterricht verwehrt. Hauptgrund für die Organisation seitens des Staates sind Vorwürfe, dass beteiligte Gemeinschaften unter ausländischem Einfluss stehen.
Für die Unterrichtspraxis bedeutet das: Im Gegensatz zu Ländern, in denen bekenntnisorientierter Unterricht erteilt wird, müssen die Lehrerinnen und Lehrer nicht durch eine muslimische Gemeinschaft bestätigt werden. Sie benötigen also keine islamische Lehrerlaubnis (Idschaza), sondern können vom Land wie Ethiklehrer eingesetzt werden. Laut bayerischem Kultusministerium gibt es im Freistaat rund 169.000 muslimische Schüler, von denen etwa 10,7 Prozent an der staatlichen Islamkunde teilnehmen.