München (epd). Die bevölkerungsreichsten und wirtschaftsstärksten Bundesländer Nordrhein-Westfalen und Bayern fordern vom Bund ein mehr Engagement bei den Kosten der Flüchtlingsunterbringung. "Wir brauchen eine deutlich stärkere Beteiligung des Bundes bei der Lastenverteilung", sagte der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) am Dienstag nach einer gemeinsamen Kabinettssitzung der beiden Länder in München. Man werde nicht nur bei diesem Thema als "Interessenverwalter der Länder" künftig noch stärker gemeinsam gegenüber der Bundesregierung auftreten, kündigte Wüst an.
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sagte, momentan liege die Beteiligung des Bundes bei der Flüchtlingsunterbringung im Freistaat bei rund 20 Prozent - in Nordrhein-Westfalen bei gerade mal 16 Prozent. Man fordere vom Bund die Übernahme von "50 Prozent am Gesamtanteil". Beide Länder stünden zur humanitären Verantwortung, auch Arbeitsmigration befürworte man. Söder warnte Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) vor einem Wortbruch. Die Länder hätten mit dem Bund vereinbart, dass sich dieser bei steigenden Flüchtlingszahlen auch stärker an der Finanzierung beteilige: "Der Bund steht im Wort!"
Söder sagte, die gemeinsame Kabinettssitzung sei "kein Kaffeeplausch" gewesen, sondern ein "strategischer Dialog". Beide Länder seien sich einig bei ihrer Kritik an der von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) geplanten Krankenhausreform. Wüst berichtete, dass die beiden Bundesländer bei Themen wie Fachkräftemangel, Transformation des Energiesystems - etwa im Bereich Wasserstoffversorgung oder auch der Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse - künftig noch stärker zusammenarbeiten wollten. "In NRW lebt die Hälfte der Bevölkerung eben auch nicht in Großstädten", erläuterte der NRW-Regierungschef Wüst.
Söder berichtete nach der gemeinsamen Sitzung außerdem von einigen bayerischen Kabinettsbeschlüssen. So könnten Wölfe und Otter künftig "deutlich leichter entnommen", sprich: abgeschossen werden. Man setze damit ein "klares Signal". Weiterhin habe man beschlossen, dass ab 1. Januar 2024 alle Lehrkräfte an den Grund- und Mittelschulen "in Stufen A13 bekommen sollen" - also mehr Geld als bislang.
Bayern und Nordrhein-Westfalen stellen gemeinsam mit rund 31 Millionen Menschen mehr als 37 Prozent der deutschen Bevölkerung, rund 30 Prozent der deutschen Landesfläche und 40 Prozent der Wirtschaftsleistung.