München (epd). Die Bundesländer fordern vom Bund eine stärkere Regulierung sogenannter Medizinischer Versorgungszentren (MVZ). Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) sagte, Patientinnen und Patienten sollten "immer wissen, wer und gegebenenfalls welche Wirtschaftsinteressen hinter einem MVZ stehen". Dies sei aktuell "nicht der Fall", erläuterte er. Daher habe Bayern gemeinsam mit Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein eine Bundesratsinitiative gestartet, die vor kurzem mehrheitlich verabschiedet wurde.

MVZ sind laut Holetschek "zweifellos ein wichtiger Baustein" bei einer guten ambulanten Versorgung, "aber sie sind sicher kein Allheilmittel". Die Mischung zwischen niedergelassenen Ärzten in eigener Praxis und den MVZ sei die beste Lösung. Doch weil sich die Zahl der MVZ alleine in Bayern seit der Einführung im Jahr 2004 von damals 9 auf 938 im August 2022 stark erhöht habe, sei eine "effektive Regulierung" im Sinne der Patienten wichtig. Die MVZ gefährdeten in ihrer aktuellen Ausprägung nämlich eine flächendeckende Versorgung.

Der Grund dafür laut Holetschek: Private Investoren, die MVZ vor allem nach Wirtschaftlichkeitsaspekten gründen, übernehmen und betreiben; und das eben vor allem in oder nahe an Ballungsräumen. Ungefähr 20 Prozent der MVZ in Bayern werden von privaten Krankenhäusern betrieben - und hinter diese wiederum stehen häufig Finanzinvestoren. Von MVZ in öffentlicher Hand wie in anderen Ländern hält Holetschek nicht viel. Man sei "ein großer Verfechter der Freiberuflichkeit" bei Ärzten, betonte er: "Wir wollen keine Staatsmedizin."

Gleichwohl weiß der Gesundheitsminister um die Herausforderungen in der Branche: "Wir beobachten eine nachlassende Niederlassungsbereitschaft bei der jungen Ärztegeneration." Die Gründe dafür seien vielseitig. Zum einen sei man als angestellter Arzt und womöglich in Teilzeit flexibler und könne Beruf und Familie viel besser miteinander vereinbaren. Zudem werde die Führung einer eigenen Arztpraxis "immer komplexer". Man müsse nicht nur Mediziner sein, sondern brauche auch unternehmerisches und juristisches Fachwissen.

Um das Problem zu lösen, soll zum einen die Bürokratie für den Praxisbetrieb reduziert werden, fordert der CSU-Politiker. Zum anderen müsse man die Niederlassung junger Ärztinnen und Ärzte auf dem Land weiter fordern. Bayern habe dies seit 2012 in mehr als 1.100 Fällen mit seiner Landarztprämie geschafft, betonte er. Zugleich soll noch in diesem Sommer eine Förderrichtlinie verabschiedet werden, über die Kommunen dann Zuschüsse erhalten, wenn sie selbst MVZ (mit) gründen oder bei der Standortsuche für Arztpraxen helfen.