München (epd). Der bayerische Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) hat dem Bund Desinteresse am barrierefreien Ausbau der Bahnstationen im Land unterstellt. "Mir kommt es vor, als ob die Bundesregierung bei diesem wichtigen Thema im Tiefschlaf ist", sagte Bernreiter am Donnerstag mit Blick auf den Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung an diesem Freitag (5. Mai). Viele mobilitätseingeschränkte Menschen, die gerne das Deutschlandticket nutzen würden, stünden an Bahnhöfen "oft vor unüberwindbaren Hindernissen". Besonders schlecht sei die Situation "an vielen kleinen Bahnhöfen im ländlichen Raum".
Hintergrund der Kritik ist, dass für Stationen, die weniger als 1.000 Ein- und Aussteiger pro Werktag haben, aktuell in der Regel keine öffentlichen Bundesmittel für den Bahnhalteausbau bereitstellt werden. Bernreiter erinnerte daran, dass das letzte Sonderprogramm für diese Bahnhofskategorie 2021 ausgelaufen ist und der Bund bisher kein Nachfolgeprogramm in Aussicht gestellt habe. Auch alle anderen derzeit noch laufenden Sonderprogramme für den barrierefreien Ausbau seien von der Vorgängerregierung ins Leben gerufen worden. "Von der neuen Bundesregierung kam bisher keine neue Initiative", erläuterte Bayerns Verkehrsminister.
Der CSU-Politiker forderte daher vom Bund ein neues Sonderprogramm zum barrierefreien Ausbau kleinerer Bahnhöfe und habe dies auch in einem Brief an Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) zum Ausdruck gebracht. Bernreiter betonte, dass Bayern und auch bayerische Gemeinden "immer wieder tätig werden", um den Ausbau zu beschleunigen, sich aber vom Bund im Stich gelassen fühlten. Aktuell sind in Bayern mehr als die Hälfte der knapp 1.100 Bahnstationen noch nicht barrierefrei.