Nürnberg, Paris (epd). Die Weltkulturorganisation Unesco hat insgesamt 64 Werke neu in das Weltdokumentenerbe "Memory of the World" aufgenommen. "Das Weltdokumentenerbe vereint Buchbestände, Handschriften, Partituren, Bild-, Ton- und Filmaufnahmen von außergewöhnlichem Wert für die Menschheitsgeschichte", teilte die deutsche Unesco-Kommission am Donnerstag in Bonn mit. Aus Deutschland seien unter anderem die mitteldeutsche Lied- und Spruchdichtungssammlung "Codex Manesse" aus Heidelberg, der Nürnberger Behaim-Globus als ältester Globus der Welt und Dokumente zur Geschichte des Händlerverbunds Hanse neu hinzugekommen.
"Das Weltdokumentenerbe führt uns kulturelle Wendepunkte der Geschichte vor Augen", sagte der deutsche Unesco-Botschafter Peter Reuss. Mit jedem neuen Eintrag in das Register wachse das Gedächtnis der Menschheit. "Diese Dokumente sind nicht nur historisch bedeutend, sondern sorgen für Dialog und Kooperation im Hier und Jetzt." So wurde unter deutsch-französischer Beteiligung den Angaben zufolge der Dokumentarfilm "Shoah" von Claude Lanzmann für das Weltdokumentenerbe vorgeschlagen und nun aufgenommen. Damit werde "ein mahnendes Zeugnis unserer schrecklichen Vergangenheit gewürdigt", betonte Reuss. "Zugleich zeugt die Zusammenarbeit bei dieser Nominierung von der Versöhnung zwischen Franzosen und Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg, die zum Fundament der europäischen Integration wurde."
Das Unesco-Programm zum Weltdokumentenerbe wurde den Angaben zufolge 1992 ins Leben gerufen. "Ziel des 1997 im Rahmen des Programms gestarteten internationalen Registers ist es, dokumentarische Zeugnisse von außergewöhnlichem Wert in Archiven, Bibliotheken und Museen zu sichern, zugänglich zu machen und auf deren Bedeutung hinzuweisen", erklärte die Unesco. Zurzeit zähle das Register 496 Einträge, darunter 28 Beiträge aus Deutschland.