München (epd). Von Barockmusik bis Hoagascht: Der künftige Chefdirigent von Symphonieorchester und Chor des Bayerischen Rundfunks (BR), Sir Simon Rattle, hat am Mittwoch sein Programm für die Konzertsaison 2023/24 vorgestellt. Er freue sich besonders auf das Mitmach-Projekt "Symphonischer Hoagascht", sagte der 68-Jährige, der bis 2018 Chefdirigent der Berliner Philharmoniker war, bei einer Pressekonferenz im BR. Der bayerische Begriff des "Hoagascht" bedeute für ihn, "wie Nachbarn zu sein, sich zu treffen und miteinander zu reden", sagte Rattle. Noch bis 26. Mai können sich Blasmusik-Ensembles für das Projekt anmelden, bei dem das Symphonieorchester quer durch Bayern reisen und mit lokalen Gruppen musizieren wird.

Der Stardirigent aus Großbritannien betonte, dass sich das BR-Symphonieorchester "wie Familie" anfühle. Zugleich freue er sich darauf, neben einem Spitzenorchester auch einen Spitzenchor "in einem Haus" zu haben. Das ermögliche die Aufführung von selten gespielten Werken wie Arnold Schönbergs "Gurreliedern", die die beiden BR-Klangkörper im Frühjahr 2024 zum 75. Bestehen des BR auf die Bühne brächten. Rattle übernimmt seine neuen Aufgaben in München offiziell zum September dieses Jahres.

BR-Intendantin Katja Wildermuth bezeichnete die Verpflichtung Rattles als "Glücksfall". Er stehe für Offenheit, Kreativität und Vielfalt in der klassischen Musikwelt und für ein "Hineinwirken in die Gesellschaft, für Brückenbauen und neue Zielgruppen, für Education- und Nachwuchs-Projekte". Der "Spirit" des Briten lasse sich bereits in seinem ersten Programm mit Werken von Haydn über Mahler bis zu Berio erahnen, ergänzte Kultur-Programmdirektor Björn Wilhelm.

Mit Blick auf die Stagnation beim geplanten Konzerthaus im Werksviertel am Ostbahnhof sagte Programmdirektor Wilhelm, dass die von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) verordnete "Denkpause" keine Absage an das Projekt sei. "Ich bin absolut zuversichtlich, dass das Orchester die Heimat bekommt, die es braucht", betonte Wilhelm, der auch Teil der BR-Geschäftsführung ist. Auch Chefdirigent Rattle blieb bei dem Thema gelassen: "Das Konzerthaus ist ein Prozess - wir müssen dafür kämpfen und mit den Politikern zusammenarbeiten." Nur zu schimpfen, reiche nicht.