München (epd). Der Bund Naturschutz (BN) in Bayern kritisiert den von der Bundesregierung auch im Freistaat geplanten beschleunigten Ausbau von Autobahnen. Den Plan von Ministerpräsident Markus Söder (CSU), darüber hinaus weitere Straßenbauprojekte nach Bayern zu holen, bezeichnete der BN in einer Mitteilung am Freitag als "absolut fatales Zeichen in Zeiten der Klimakrise". Jedes Jahr werde eine Fläche so groß wie der Ammersee neu mit Gewerbegebieten, Straßen oder Einkaufszentren bebaut, sagte der Landesbeauftragte Martin Geilhufe.

Die aktuellen Fernstraßen-Ausbaupläne für Bayern würden zusätzlich sehr viel Fläche für immer zerstören. Für jeden Kilometer Neu- oder Ausbau einer Autobahn oder Bundesstraße müssten zudem anderswo die Sanierungen von Straßen oder Schienen hintenanstehen und das Geld fehle. "Der Ausbau der A8 südlich von München bis zur Landesgrenze wurde 2017 mit knapp 1,8 Milliarden Euro veranschlagt, die Kosten dürften mittlerweile deutlich höher liegen. Und auch die Stauproblematik wird durch neue Straßen nicht gelöst", warnte Geilhufe.

Diese Einschätzung teilt der Verkehrswissenschaftler Heiner Monheim: "Neue und breiter ausgebaute Straßen erzeugen mehr Auto- und Lkw-Verkehr. Diese Erfahrung ist seit den 70er-Jahren belegt und kann überall auf der Welt beobachtet werden", sagte Monheim laut Mitteilung. Es entstünde eine Endlosspirale von Kfz-Verkehrswachstum und Straßenbau. Die langen Bauzeiten beim Bestandsausbau produzierten dabei zusätzliche Staus. Bereits drei bis fünf Jahre nach der Fertigstellung der Baumaßnahmen an der A8 werde es dort die gleiche Stauproblematik wie vorher geben.

Der Bund Naturschutz und der Verkehrswissenschaftler Monheim forderten stattdessen einen Kurswechsel der Verkehrspolitik weg vom Straßennetzausbau hin zur konsequenten Förderung des öffentlichen Verkehrs. Das Schienennetz müsse schnell ausgebaut, stillgelegte Strecken reaktiviert und der Busverkehr im ländlichen Raum massiv verbessert werden.