München (epd). Der Bund Naturschutz in Bayern (BN) hat sich über die Ankündigungen der bayerischen Staatsregierung zur "erleichterten Entnahme" von Wolf und Fischotter überrascht gezeigt. Dieses Vorhaben habe keine rechtliche Grundlage, denn der Schutzstatus der Tiere sei über die europäische und deutsche Artenschutzrichtlinie geregelt, teilte der BN nach der Kabinettssitzung am Dienstag mit. Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) habe selbst von "juristisch dünnem Eis" gesprochen.
Der BN stellte klar, dass die Ankündigung des bayerischen Kabinetts keinerlei Auswirkungen auf die Praxis haben wird. Über die europäischen und deutschen Richtlinien zu gefährdeten Arten könnten sich weder der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) noch Wirtschaftsminister Aiwanger hinwegsetzen. Der BN-Landesvorsitzende Mergner kritisierte dies sei "keine seriöse politische Sacharbeit". Er sei "gespannt, wie die Staatsregierung das Thema tatsächlich angehen will", erläuterte der Umweltschützer.
Eine artenschutzrechtliche Ausnahmegenehmigung, die sich ans Naturschutzrecht halten muss, sei "immer zwingend erforderlich", sagte BN-Wolfsexperte Uwe Friedel. Statt "Nebelkerzen" wäre es viel wichtiger, dass die Staatsregierung schnell einen Plan für die praktische Durchführung der Entnahme von rechtskräftig zum Abschuss frei gegebenen Wölfen vorlege. "Es ist völlig unklar, wer im Fall eines Falles in Bayern in welchem Gebiet, wann und wie schnell einen Wolf entnehmen kann", sagte Friedel.