München (epd). Der Regisseur Peter Lilienthal, Mitbegründer des neuen deutschen Films, ist mit 95 Jahren in einem Pflegeheim in München gestorben. In einer Mitteilung vom Samstag würdigt ihn Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier als "einen der bedeutendsten Regisseure des deutschen und des internationalen Films". Lilienthal habe "Zeichen gegen das Vergessen gesetzt und wichtige Aufklärungsarbeit geleistet".
Sein filmisches Werk war geprägt von seiner eigenen Erfahrung von Flucht und Exil. Vor den Nationalsozialisten floh Peter Lilienthal, ein Nachfahre des Flugpioniers Otto Lilienthal, im Jahr 1939 mit seiner Familie nach Uruguay. Sein Blick, so Steinmeier weiter, "ließ engagierte und subtile Reportagen mit einer ganz eigenen Bildsprache entstehen, die Zeugnis davon ablegten, welchen Wert die Freiheit für den Menschen hat".
Zu seinem Geburtsjahr finden sich verschiedene Angaben, die Filmdatenbank IMDb gibt den 27. November 1929 an, auch die Tagesschau der ARD nannte dieses Jahr. Lilienthal sei am 27. November 1927 in Berlin geboren, berichtete der Berliner Tagesspiegel, und verwies dazu auf Lilienthals Anwalt: Bei seiner Rückkehr nach Deutschland habe Lilienthal sein Geburtsdatum fälschlich im Jahr 1929 angegeben, habe der Anwalt jetzt gesagt.
Die bedrückende Erfahrung von Gewalt und Unterdrückung, von Unfreiheit und Unrecht in einer Militärdiktatur hat Lilienthal in Filmen wie "La Victoria" (1973), "Es herrscht Ruhe im Land" (1976) und "Der Aufstand" (1980) verarbeitet. "Ich werde diese Filme ebenso wenig vergessen wie ‚David‘, einen Film, in dem er seine Kindheit in der Zeit des Nationalsozialismus verarbeitete oder die zutiefst berührende Geschichte über einen Vater und einen behinderten Sohn in ‚Das Schweigen des Dichters‘", sagte Steinmeier. "Peter Lilienthal berührte und begeisterte mit seinen Filmen Menschen in unserem Land und in vielen Ländern auf der Welt."