München (epd). Für ihre Recherchen zur Aufklärung des Oktoberfest-Attentats haben der Rechtsanwalt Werner Dietrich und der Journalist und Buchautor Ulrich Chaussy-Wunderlich am Montag das Bundesverdienstkreuz erster Klasse erhalten. Die Auszeichnung wurde ihnen vom bayerischen Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) in München überreicht, teilte das Kultusministerium mit. Der Bundesverdienstorden ist die höchste Auszeichnung, die die Bundesrepublik Deutschland für Verdienste um das Gemeinwohl ausspricht.
Die beiden Männer hätten sich nicht mit bequemen Antworten zufriedengegeben, sagte Piazolo und bedankte sich für ihre Zivilcourage: "Ihrem Sinn für Gerechtigkeit ist es zu verdanken, dass wir das Oktoberfest-Attentat heute als das erkennen, was es war: Ein rechtsextremer Terroranschlag." Aufgrund des Einsatzes von Chaussy-Wunderlich und Dietrich habe die Generalbundesanwaltschaft das Ermittlungsverfahren 2014 wieder aufgenommen und die Tat 2020 als rechtsextremistischen Akt eingestuft, hieß es in der Mitteilung.
Der Rechtsanwalt Werner Dietrich setzt sich seit 1982 für die Opfer und Hinterbliebenen des Oktoberfest-Attentats von 1980 ein und kämpft für eine angemessene Entschädigung. Journalist Ulrich Chaussy-Wunderlich begann bereits kurz nach dem Oktoberfest-Attentat, die These vom Einzeltäter Gundolf Köhler zu hinterfragen. Die Ergebnisse seiner Recherche veröffentlichte er 1985 in seinem Buch "Oktoberfest. Ein Attentat". Außerdem habe er weitere "Leerstellen in der gesellschaftlichen Erinnerung" erforscht, wie etwa die Hintergründe des Mordes an Shlomo Lewin, dem Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde in Nürnberg, nur wenige Monate nach dem Oktoberfest-Attentat, hieß es in der Begründung der Auszeichnung.