München (epd). Die "Claims Conference" für die Entschädigung und Unterstützung jüdischer NS-Opfer will die von Bayerns Kunstminister Markus Blume (CSU) angekündigten Restitutions-Pläne für NS-Raubkunst kritisch begleiten. "Bayern kann das beschädigte Vertrauen nur dann wiederherstellen, wenn es konsequent und transparent mit seinen Verdachtsfällen von NS-Raubkunst umgeht", sagte Rüdiger Mahlo als Repräsentant der "Claims Conference" in Europa am Donnerstag. Man werde den Erfolg von Blumes Ankündigungen "an der Restitutions-Quote" messen.

Bayerns Kunstminister Blume hatte am Mittwoch mitgeteilt, den bisherigen Direktor der Staatsgemäldesammlungen, Bernhard Maaz, an das Zentralinstitut für Kunstgeschichte zu versetzen. Die Interims-Leitung hat ab sofort der frühere Münchner Kulturreferent Anton Biebl übernommen. Blume kündigte ein ganzes Bündel an Maßnahmen an, um die Missstände bei den Staatsgemäldesammlungen aufzuklären, die vor wenigen Wochen durch eine von Medienberichten ausgelöste Debatte um den Umgang mit NS-Raubkunst in den Staatsgemäldesammlungen offenbar wurden.

Blume sagte am Mittwoch, es gehe dabei nicht nur um die ungeklärte Herkunft (in der Fachsprache: Provenienz) von Gemälden, sondern auch um "persönliches Fehlverhalten und womöglich Organisationsversagen". Der Kunstminister betonte mit Blick auf die Berichterstattung der "Süddeutschen Zeitung" vom Februar, dass sich der Kernvorwurf von bis zu 200 NS-Raubkunst-Gemälden in den Beständen der Staatssammlungen als "nicht richtig" erwiesen habe. Es gebe aktuell 97 fragliche Werke. Für deren Aufklärung wurde ein "verbindlicher Fahrplan" bis 2026 festgelegt.

Der Deutschlandfunk hatte am Mittwochnachmittag berichtet, die Vorwürfe gegen Mitarbeitende und Strukturen bei den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen gingen "deutlich weiter als bislang bekannt". Es geht beispielsweise um sexuelle Belästigung Minderjähriger durch Aufsichtspersonal oder den Missbrauch von Videoanlagen des Museums zur illegalen Überwachung von Mitarbeitenden. Blume hatte selbst am Mittwoch eingeräumt, es gebe auch Vorwürfe, die mit der Raubkunst-Debatte nichts zu tun hätten. Sein Haus habe dazu interne Untersuchungen veranlasst.