München (epd). Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) Bayern hat den bayerischen Arbeitgebern "fatale Tarifflucht" vorgeworfen. Nur noch 25 Prozent der Betriebe unterlägen einem Tarifvertrag, sagte DGB-Bayern-Chef Bernhard Stiedl laut Mitteilung vom Freitag. Anfang der 2000er-Jahre seien es noch doppelt so viele gewesen. 70 Prozent der Beschäftigten hätten damals von einem Tarif profitiert; heute seien es nur noch 51 Prozent. "Was sich bei der Tarifbindung in Bayern seit Jahren abspielt, ist ein echtes Trauerspiel", sagte Stiedl. Attraktive Arbeitsbedingungen schaffe man so nicht. "Daher gilt: Fachkräfte gibt es mit Tarifvertrag", so Stiedl.

Der bayerische Arbeitsmarkt sei grundsätzlich "in einer ordentlichen Verfassung", sagte der Gewerkschafts-Chef anlässlich der aktuellen Zahlen der Bundesagentur für Arbeit. Die einsetzende Frühjahrsbelebung verspreche einen "Aufwuchs der Beschäftigung". Qualitativ gebe es jedoch reichlich Potenzial für Verbesserung. "Statt ständigem Gejammer braucht es endlich einen Wandel hin zu guter Arbeit", forderte Stiedl.

Am Freitag hatte die Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg die Zahlen für April vorgestellt. Demnach ging die Zahl der Arbeitslosen in Bayern im Vergleich zum Vormonat um 2,9 Prozent auf 251.241 zurück. Die Arbeitslosenquote sinke dadurch um 0,1 Prozentpunkte auf 3,3 Prozent. Dieser Rückgang sei "saisonal üblich", falle aber deutlich schwächer aus als in den Vorjahren, teilte die Regionaldirektion Bayern mit. Im Vergleich zum April 2022 sei die Zahl der Arbeitslosen sogar um 15,5 Prozent gestiegen.