Traunstein (epd). Die Zukunftsfragen von Kirche und Diakonie standen bei der 75-Jahrfeier von Dekanat und Diakonie Traunstein im Mittelpunkt eines "Couchgesprächs" mit der bayerischen Diakoniepräsidentin Sabine Weingärtner und dem Münchner Regionalbischof Christian Kopp. Die gestiegenen Preise und der Fachkräftemangel machten diakonischen Einrichtungen aktuell besonders zu schaffen, erklärte Weingärtner bei der Veranstaltung am Samstagnachmittag in der Auferstehungskirche Traunstein. Die Diakoniepräsidentin verwies auf das Pilotprojekt des Diakonischen Werks, bei dem Springerkräfte für Personalengpässe in der Pflege vorgehalten würden. Die Krise in der Altenpflege lasse sich durch solche Konzepte "deutlich mildern", so Weingärtner.

Regionalbischof Kopp betonte, die zentrale Aufgabe von Kirche und Diakonie sei, "sich um die zu kümmern, die gerade nicht lachen können, vom Jüngsten bis zum Ältesten". Kommunen müssten wissen, wo sie Hilfe für Notlagen fänden und welche Angebote die Diakonie mache. Das Gespräch moderierte der bayerische Pfarrer und Professor für praktische Theologie in Münster, Traugott Roser. Er bezeichnete die Heilige Schrift als gemeinsamen Nenner von Kirche und Diakonie: "Diakonie geht nicht ohne Bibel, Kirche auch nicht." Die biblischen Geschichten zeigten, dass Jesus vor allem im Kleinen wirkte, "am Rand der Gesellschaft". Gleiches gelte für die Diakonie.

Traunsteins Oberbürgermeister Christian Hümmer erklärte, dass das evangelische Dekanat und die Diakonie 75 Jahre nach ihrer Gründung längst "mitten in der Gesellschaft Traunsteins" angekommen seien. Die Kommune selbst könne "bei weitem nicht das leisten, was die Diakonie leistet". Dekan Peter Bertram betonte, dass Kirche und Diakonie in Traunstein von Beginn an eng zusammenarbeiteten: "Wenn wir heute, 75 Jahre später, betrachten, was aus schwierigen Anfängen heraus alles erwachsen ist, macht es uns stolz, unglaublich dankbar und erfüllt uns mit Freude", so der Dekan im Rahmen des Festgottesdiensts.

Das Dekanat Traunstein wurde am 16. Oktober 1948 als drittes Dekanat in Oberbayern gegründet. Es umfasst 16 Kirchengemeinden in vier Landkreisen, rund 47.000 evangelische Christen leben hier. Kurz nach dem Dekanat wurde auch das Diakonische Werk ins Leben gerufen, das von der Kinderbetreuung bis zur Seniorenhilfe zahlreiche Einrichtungen betreibt und rund 1.200 Mitarbeitende beschäftigt.