Unterschleißheim (epd). Mit einem dreiteiligen Erinnerungsort soll künftig in Unterschleißheim (Landkreis München) an die NS-Zwangsarbeiter und -Zwangsarbeiterinnen in der Flachsröste Lohhof erinnert werden. Damit setze die Stadt einen wichtigen Akzent für einen verantwortungsvollen Umgang mit der NS-Vergangenheit, sagte Unterschleißheims Bürgermeister Christoph Böck laut Mitteilung. "Gerade heute, wo auch bei uns leider antisemitische und rassistische Töne immer lauter werden", machten die Leidensgeschichten der Zwangsarbeiter deutlich, "welche schreckliche Konsequenzen es hat, wenn wir unsere Demokratie nicht aktiv verteidigen". Der Erinnerungsort wurde von der Künstlerin Kirsten Zeitz und dem Historiker Maximilian Strnad geschaffen.
Das Denkmal am S-Bahnhof Lohhof markiere den Ort, an dem täglich die jüdischen Zwangsarbeiter aus München ankamen, auf dem Weg zur Arbeit in der Flachsröste, einer Anlage zur Gewinnung von Pflanzenfasern aus Flachs, heißt es in der Mitteilung. Das Denkmal besteht den Angaben zufolge aus sieben Porträtstelen und vier Feldern aus Staudenlein sowie drei Pulten, auf denen der historische Kontext erläutert wird.
Von dort führt der Weg der Erinnerung bis zum wenige Minuten entfernten digitalen Lernort. Der Weg ist durch Flachsblüten aus blauem Beton sowie Stahlplatten gekennzeichnet, die in den Gehsteig eingelassen sind. Auf den Platten seien die Namen jener 348 Zwangsarbeiter eingehämmert, deren Namen recherchiert werden konnten, heißt es. Weitere leere Platten dienten als Platzhalter für die bis heute namentlich nicht bekannten Zwangsarbeiter.
In Sichtweite des ehemaligen Geländes der Flachsröste Lohhof, auf dem heute noch Teile der Fabrikgebäude zu sehen sind, befindet sich in einem begehbaren Flachsfeld der digitale Lernort. "Die Besucher scannen vor Ort mit ihrem Handy einen QR-Code und betreten dann eine virtuelle Rekonstruktion der Flachsröste Lohhof in der NS-Zeit. Dort erhalten sie Informationen zur Geschichte, bekommen historische Fotos in ihrem Kontext zu sehen und erfahren mehr über das Leben der Betroffenen", erklärt der Historiker Maximilian Strnad. Zudem werde eine Homepage entwickelt, die den Erinnerungsort begleitet.
Der Erinnerungsort soll am 21. September um 11 Uhr im Foyer der Berufs- und Fachoberschule Unterschleißheim (Südliche Ingolstädter Straße 1, Lohhof) eröffnet werden.