Schweinfurt, Ingolstadt (epd). Bei der Maikundgebung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) auf dem Schweinfurter Marktplatz hielt Bernhard Stiedl, Vorsitzender des DGB Bayern, ein Plädoyer für mehr Verteilungsgerechtigkeit. Es sei eine "schreiende Ungerechtigkeit", dass bislang vor allem die Beschäftigten die Krisenlasten getragen hätten, sagte er laut DGB-Mitteilung. Arbeitseinkommen würden nach wie vor höher besteuert als Kapitalerträge. "In diesem Land tragen die stärksten Schultern den kleinsten Rucksack."
Bei der Tarifbindung, so Stiedl, sei im Freistaat "noch viel Luft nach oben". Durch die mangelnde Tarifbindung entstehe für die Beschäftigten, den Staat und die Sozialkassen in Bayern jährlich ein Verlust von 10 Milliarden Euro. Stiedl zufolge sollten öffentliche Aufträge in Bayern künftig nur noch an Unternehmen vergeben werden, die ihre Beschäftigten fair bezahlen. Wer Fachkräfte gewinnen wolle, müsse attraktive Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen bieten. Eins sogenannte "Flexibilisierung" der Arbeitszeit im Sinne der Arbeitgeber habe vor allem eine gesundheitsgefährdende Verdichtung und Entgrenzung der Arbeit zur Folge.
Die stellvertretende Vorsitzende des DGB Bayern, Verena Di Pasquale, forderte in ihrer Rede auf dem Paradeplatz in Ingolstadt mehr Fortschritte bei der Gleichstellung im Freistaat. Dafür brauche es insbesondere in den frauendominierten Branchen ein gutes Entgelt. Statt Minijobs brauche es eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung ab dem ersten Euro. Für eine echte Gleichstellung seien passende Betreuungsstrukturen ebenso notwendig wie ein Mehr an Mitbestimmung bei der Arbeitszeit. Für die Weiterbildung brauche es ein bayerisches Bildungszeitgesetz, wie es 14 andere Bundesländer bereits hätten.