Nürnberg (epd). Erschöpfte Beschäftigte, Kreislaufprobleme bei Bewohnerinnen und Bewohnern und Beratungsangebote, die wegen überhitzter Räume ausfallen: Viele soziale Einrichtungen in Bayern sind nach Einschätzung der Diakonie nicht ausreichend auf längere Hitzeperioden vorbereitet. Das zeige eine aktuelle Befragung des kirchlichen Wohlfahrtsverbandes, wie die Diakonie am Donnerstag mitteilte. Sie fordert politische Konsequenzen und mehr Geld für baulichen und technischen Hitzeschutz.
Mehr als 80 Prozent der diakonischen Einrichtungen gaben an, während der vergangenen Hitzewelle stark oder sehr stark betroffen gewesen zu sein. Besonders häufig werden die Beschäftigten als belastete Gruppe genannt: Über 90 Prozent der Einrichtungen berichteten von Auswirkungen auf ihre Mitarbeitenden. Genannt wurden vor allem körperliche Belastung, Erschöpfung und Konzentrationsprobleme. Teilweise werde auch eine erhöhte Fehlerquote beobachtet.
Zu wenig Kühlmöglichkeiten in Einrichtungen
Auch für die betreuten Menschen hat die Hitze Folgen. Knapp 80 Prozent der Einrichtungen berichteten von Auswirkungen auf die Bewohner sowie Klientinnen. Knapp 90 Prozent beobachteten demnach Erschöpfung und Kreislaufprobleme.
"Hitze ist für soziale Einrichtungen längst kein gelegentliches Sommerproblem mehr", sagte Diakonie-Präsidentin Sabine Weingärtner. Sie wirke sich unmittelbar darauf aus, ob Menschen gut gepflegt, betreut und beraten werden könnten. Die Folgen seien in unterschiedlichen Arbeitsfeldern spürbar. Einrichtungen der Altenhilfe litten ebenso darunter wie eine Schreibaby-Beratung, die ausfallen musste, weil die Räume nicht gekühlt werden konnten. Auch ambulante Dienste seien betroffen. Zudem meldeten Einrichtungen Schwierigkeiten bei der Lagerung von Medikamenten sowie Einschränkungen bei Hausbesuchen und Fahrdiensten.
Diakonie fordert Investitionsprogramm
"Klimaanpassung darf nicht länger von den finanziellen Möglichkeiten eines einzelnen Trägers abhängen", sagte Weingärtner. Die Diakonie fordert vom Freistaat ein dauerhaftes Investitionsprogramm für den baulichen und technischen Hitzeschutz sozialer Einrichtungen. Gefördert werden sollten unter anderem außen liegende Verschattung, sommerlicher Wärmeschutz, Begrünung, kühle Rückzugsräume und effiziente Kühltechnik, wenn passive Maßnahmen nicht ausreichten.
Die Onlinebefragung der Diakonie Bayern läuft seit dem 30. Juni und ist nicht repräsentativ. Grundlage der Auswertung seien 254 Datensätze mit Stand vom 26. August.