Würzburg (epd). Mit einer Plakette am Würzburger Hauptbahnhof sowie einer eigenen Internetseite erinnert die Deutsche Bahn künftig an die NS-Geschichte des Ortes. 30 Auszubildende hatten sich im Rahmen eines Pilotprojektes mit der Lebensrealität von Menschen während des Nationalsozialismus in Würzburg beschäftigt und stellten ihre Ergebnisse am Dienstag der Öffentlichkeit vor, teilte die Deutsche Bahn mit. Die silberne Plakette, die am Übergang zwischen Personenunterführung und Empfangshalle des Würzburger Hauptbahnhofs angebracht ist, enthält einen QR-Code mit dem Bericht.
Die Auszubildenden hätten die Geschichte des Bahnhofs Würzburg zur Zeit des Nationalsozialismus aus drei Perspektiven betrachte, hieß es weiter: der einer verfolgten Person, einer mitwissenden Person und einer Person, die am Bahnhof arbeitete. Im Mittelpunkt standen die Erfahrungen, Ängste und das Leid der deportierten Jüdinnen und Juden sowie die Frage, wie und warum so viele Menschen Teil dieses Systems wurden - sei es durch aktives Handeln, stilles Mitwissen oder pflichtbewusstes Ausführen von Befehlen.
"Bahnhöfe waren im Nationalsozialismus keine neutralen Orte", sagte der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, bei der Vorstellung des Gedenkortes. "Sie waren Knotenpunkte eines Unrechtssystems." Er dankte den Auszubildenden und den Projekt-Verantwortlichen für "ein deutliches Zeichen gegen Ausgrenzung, Rassismus und Antisemitismus". Die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit sei ein wichtiger Beitrag zur Erinnerungskultur, sagte Ralf Thieme, Vorstand Personenbahnhöfe DB InfraGO. Gegen eine zunehmende Geschichtsvergessenheit brauche es Haltung, Diskussion und Vermittlung von historischem Kontext. Dem Pilotworkshop für die Auszubildenden sollen weitere folgen.
Der digitale Erinnerungsort ergänze den 2020 auf dem Bahnhofsvorplatz eröffneten DenkOrt Deportationen, sagte Würzburgs Oberbürgermeister Martin Heilig (Grüne). "Er erweitert die Erinnerung ins Virtuelle, macht sie noch zugänglicher, interaktiver und greifbarer, gerade auch für jüngere Generationen."