München, Würzburg (epd). Die Zustimmung in der bayerischen Bevölkerung für einen dritten bayerischen Nationalpark im Steigerwald ist ungebrochen hoch. Nach einer repräsentativen Umfrage fänden 73 Prozent der 1.004 Befragten es gut oder sehr gut, wenn im Steigerwald ein Nationalpark eingerichtet würde, wie das "Nationalpark Bündnis Bayern" am Dienstag in München mitteilte. Unter den CSU-Wählern ist die Zustimmung mit 76 Prozent noch einmal höher, teilte das Bündnis weiter mit, in dem etwa der Bund Naturschutz (BN) und Greenpeace Mitglied sind. Grüne und FDP forderten von der Staatsregierung ein Ende der Blockadehaltung.

Die bayerische Bevölkerung spricht sich der Befragung zufolge auch klar dafür aus, mehr Waldfläche unter Schutz zu stellen. Insgesamt 88 Prozent der Befragten fänden es sehr gut oder eher gut, wenn im Freistaat mehr sogenannte Naturwälder ausgewiesen würden. Auch bei dieser Frage lag die Zustimmung unter den Anhängerinnen und Anhängern der CSU mit 91 Prozent überdurchschnittlich hoch. Der BN-Landesvorsitzende Richard Mergner sagte, die aktuellen Zahlen zeigten, dass Aussagen von CSU- und Freie-Wähler-Politikern, im Steigerwald gebe es "massive Proteste" gegen einen neuen Nationalpark, nicht zutreffend seien.

Der Grünen-Fraktionsvorsitzende Ludwig Hartmann sagte laut einer Mitteilung, er freue sich "riesig über diese großartigen Zustimmungswerte" für einen dritten bayerischen Nationalpark im Steigerwald: "Die Zahl zeigt deutlich: Nah am Menschen ist die CSU schon lange nicht mehr." Wer das Ohr nah an den Menschen in Bayern wäre, hätte deren Wunsch nach einem dritten Nationalpark längst vernommen. Selbst die Wählerinnen und Wähler der CSU seien "weiter als die Spitzen dieser einstigen Volkspartei". Man müsse dem "dem Naturjuwel Steigerwald" endlich den Rang verleihen, "den er verdient hat" und ihn zum Nationalpark machen.

Für den umweltpolitischen FDP-Fraktionssprecher Christoph Skutella zeigten die Umfrage-Ergebnisse, dass Bayern "bereit für einen weiteren Nationalpark" sei. Die Waldgebiete des Steigerwalds zeichneten sich durch ihren einzigartigen Bestand an alten Buchenwäldern aus. Deren Schutzwürdigkeit sei unter Experten belegt und anerkannt. Als Besitzer vieler Waldflächen in der Region trage die Staatsregierung eine Verantwortung zum Schutz und Erhalt der seltenen Baumbestände. Die Menschen in den Nationalparks Bayerischer Wald und Berchtesgaden hätten "positive Erfahrungen gemacht und schätzen ihre Schutzgebiete sehr".

Die Landtags-Grünen hatten bereits vor zweieinhalb Jahren gemeinsam mit dem Verein Nationalpark Steigerwald eine ähnliche Umfrage gestartet. Damals hatten sich 75 Prozent der Befragten im Steigerwald für die Gründung eines dritten bayerischen Nationalparks in ihrer Region ausgesprochen. Angesichts solch einer Kontinuität erwarte man von einer neuen Staatsregierung nach der Landtagswahl am 8. Oktober, das Thema dritter Nationalpark endlich anzugehen, sagten die Naturschützer bei der Vorstellung der Umfrage-Ergebnisse. Bayern müsse sich wieder auf seine Pionier-Rolle bei den Nationalparks in Deutschland besinnen.

Bisher gibt es in Bayern zwei Nationalparks: den im Jahr 1970 gegründeten Nationalpark Bayerischer Wald und den Nationalpark Berchtesgaden (1978). Immer wieder im Gespräch als dritter Standort ist der Steigerwald zwischen Bamberg und Würzburg. Der Nordsteigerwald gilt laut BN-Angaben in Expertenkreisen wegen seiner Standortvielfalt als international herausragendes Waldgebiet. Zu finden sind im Steigerwald eine breite Palette verschiedener Buchen- und weiterer Laubbäume. Vor allem Waldbesitzer hatten sich von Anfang an massiv gegen die Nationalpark-Pläne für den Steigerwald positioniert.