München (epd). Pfingsten ist nach Überzeugung des Münchner Erzbischofs Reinhard Marx unvereinbar mit Nationalismus, Hass, Ausgrenzung und Unterdrückung. Damit stehe Pfingsten im Widerspruch zu "engherzigem Partikularismus oder Konfessionalismus", vielmehr gehe "der universale Blick auf alle Völker, alle Kulturen, auf die ganze Schöpfung", sagt der Kardinal in seiner Predigt am Pfingstsonntag im Münchner Liebfrauendom laut vorab verbreiteter Mitteilung.

Pfingsten bedeute, die "Welt mit neuen Augen zu sehen und die Spuren der neuen Schöpfung, der messianischen Zeit, des Anbruchs des Reiches Gottes zu entdecken und davon zu erzählen", sagt Marx weiter. So werde auch "eine pfingstlich erneuerte Kirche zu einem wichtigen Zeichen der Hoffnung inmitten einer Welt, die Orientierung und Halt verliert und sich immer stärker bewegt hin zu Egoismen, zum Imperialismus, zu Eroberungsfantasien, zur Beherrschung anderer, zur Unfreiheit".

Eine Reform der Kirche habe daher auch nichts mit "Abschaffen" oder "Anpassen" oder einer rein negativen Sicht der Vergangenheit zu tun, sondern mit der Hoffnung, mit dem Schatz der Tradition Neues zu wagen, sagt Marx. Pfingsten sei eine Einladung, aufzubrechen in eine neue Epoche des Christentums. "Nicht allein im Blick zurück finden wir den Weg in die Zukunft, sondern in der Neugierde und Offenheit für die größeren Möglichkeiten Gottes", sagt der Münchner Erzbischof.