Was wäre, wenn man Jesus nicht nur lesen, sehen oder hören könnte – sondern ihm im Computerspiel begegnen würde? Genau das versucht "Gate Zero". Das Action-Adventure will die Geschichte Jesu für eine Generation erzählen, die vielleicht eher einen Controller als eine Bibel in der Hand hält.

Das Spiel beginnt allerdings nicht im ersten Jahrhundert, sondern im Jahr 2072. Der Jugendliche Max lebt in einer dystopischen Zukunft, in der das Regime UniFi die Kontrolle über Informationen übernommen hat und die Geschichte nach seinen Vorstellungen umschreibt. Auf der Flucht aktiviert Max eine Zeitmaschine und landet im römischen Palästina – mitten in der Zeit Jesu.

Von dort an wird die Bibel zur Spielwelt. Max erkundet Städte und Landschaften, löst Rätsel und kämpft. In einem aktuellen Trailer sieht man ihn durch die engen Straßen und Gebäude des antiken Kapernaum laufen, sich gegen Gegner zur Wehr setzen und schließlich einem übernatürlich wirkenden Feind gegenüberstehen. Der Kampf gegen dieses Wesen wirkt auf den ersten Blick eher wie aus einem Fantasy- oder Actionspiel entlehnt als aus einem Bibelfilm. 

Wenn die Bibel zur Spielwelt wird

Dabei geht es den Entwickler:innen keineswegs nur um Kämpfe. In einer rund 20-minütigen Gameplay-Vorschau aus Kapernaum wird Max durch die Stadt geführt. Er kann mit Menschen sprechen, die Umgebung erkunden und ein bekanntes Wunder Jesu miterleben. Die Spielwelt soll dabei nicht wie eine Kulisse wirken: Händler, Bewohner, Synagoge, Hafen und Wohnhäuser sind mit zahlreichen Details ausgestattet. Selbst Alltagsgegenstände sollen vermitteln, wie das Leben im ersten Jahrhundert ausgesehen haben könnte.

An anderer Stelle wird deutlich, wie stark das Spiel mit der biblischen Erzählung selbst arbeitet. Max kann Ereignisse beobachten, Informationen sammeln und historische Zusammenhänge entschlüsseln. Seine futuristische Ausrüstung ermöglicht es ihm beispielsweise, alte Sprachen zu übersetzen oder Gegenstände und Pflanzen zu untersuchen. Er wird damit zu einer Art Zeitreisendem und digitalen Archäologen.

Und dann ist da Jesus.

Die Spielenden sollen ihm nicht nur in einer Zwischensequenz begegnen, sondern ihn im Verlauf der Geschichte aus nächster Nähe erleben. Das Spiel will bekannte Ereignisse nicht einfach nachspielen, sondern sie aus der Perspektive einer Figur in dieser Welt erfahrbar machen. 

Kann man das Evangelium spielen?

Bibelgeschichten lassen sich nicht ohne Weiteres in ein Computerspiel übersetzen. Ein Spiel braucht Aufgaben, Konflikte und Herausforderungen. Die Spielenden muss etwas tun können. Das Evangelium dagegen erzählt von Menschen, Begegnungen, Glauben, Vergebung und einer Botschaft, die sich nicht einfach als Spielmechanik abbilden lässt.

"Gate Zero" versucht, beides miteinander zu verbinden. Neben den biblischen Ereignissen gibt es Kämpfe, Schleichelemente, Rätsel und eine eigene Geschichte um Max. In der aktuellen Demo können Spielende beispielsweise einen Gegner nicht nur im direkten Kampf besiegen. 

Auch Dialogentscheidungen können Einfluss auf einen späteren Kampf haben. Wer die richtige Antwort wählt, kann den Gegner bereits vor dem Kampf schwächen. Wer keine Lust auf längere Gespräche hat, kann dagegen offenbar auch einfach zur Action übergehen.

Das zeigt, vor welchem Problem "Gate Zero" steht: Die biblische Geschichte muss in eine Form übersetzt werden, in der die Spielenden selbst handeln.

Vom christlichen Projekt zum professionellen Game

Die Entwickler:innen sehen im Spiel keine Konkurrenz zur Bibel. Ihr Ziel ist ausdrücklich missionarisch: Wer durch das Spiel neugierig auf Jesus wird, soll sich anschließend intensiver mit ihm und der Bibel beschäftigen.

Hinter "Gate Zero" steht das norwegische Studio Bible X. Und das ist keine gewöhnliche Indie-Schmiede: Bible X entstand 2020 als Teil von BCC Media, der Medienorganisation der Brunstad Christian Church (BCC). Ausgangspunkt war ein 3D-Modell des Jerusalemer Tempels, das ursprünglich für ein digitales Bibelstudium gedacht war. Daraus entwickelte sich ein eigenes Game-Studio – und schließlich "Gate Zero".

Die christliche Gemeinschaft hat das Projekt über Jahre erheblich unterstützt. Nach eigenen Angaben flossen mehr als 60 Millionen norwegische Kronen in die Entwicklung, außerdem beteiligten sich mehr als 100 Freiwillige und Tausende Spender. Das Ziel war von Anfang an missionarisch: Junge Menschen sollten über ein modernes Medium mit der Bibel und der Botschaft Jesu in Berührung kommen.

Inzwischen ist aus dem norwegischen Glaubensprojekt ein internationales Spieleprojekt geworden. Ende 2025 übernahm das US-Unternehmen Templar Media das Studio Bible X. Gründer und CEO John Gibson ist ein Veteran der Spielebranche und war zuvor unter anderem Chef des erfolgreichen Entwicklers und Publishers Tripwire Interactive. Templar bringt damit jahrzehntelange Erfahrung aus der kommerziellen Spieleproduktion ein.

Ob das Spiel tatsächlich ein Publikum über christliche Gamer hinaus erreicht, wird sich zeigen. Vielleicht ist die spannendere Frage zu  "Gate Zero" aber: Was passiert mit dem Evangelium, wenn der Spielende selbst Teil der Geschichte wird?