Nürnberg, Berlin (epd). Mit Enttäuschung und Unverständnis hat die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) in Berlin auf die Entscheidung der Deutschen Bahn reagiert, kein neues ICE-Werk in Nürnberg zu bauen. Der EVG-Vorsitzende Martin Burkert sprach in einer Mitteilung von einem "schwarzen Donnerstag für Nürnberg". Die Deutsche Bahn hatte am Donnerstagvormittag das Aus für das Neubauprojekt mitgeteilt.

"Für die Wiege der Eisenbahn in Deutschland ist das ein schwerer Schlag", sagte Burkert weiter. Dass es in der Metropolregion Nürnberg nicht möglich sei, ein neues und hochmodernes ICE-Werk mit zahlreichen neuen und zusätzlichen Arbeitsplätzen zu bauen, habe er nicht für möglich gehalten. Bei der Verkündung des Standorts seien Ministerpräsident Markus Söder und Oberbürgermeister Marcus König (beide CSU) noch voller Euphorie gewesen. "Leider ist die weitere Unterstützung ausgeblieben."

Gegen die Standortvorschläge der Deutschen Bahn hatte es massive Kritik von Anwohnern und Umweltschützern gegeben. So war gegen mögliche Rodungen im Nürnberger Reichswald protestiert worden. Auch Kirchengemeinden hatten sich an den Aktionen beteiligt. Zuletzt wurde das Gelände der ehemaligen Munitionsanstalt (MUNA) in Feucht in Betracht gezogen, das im Zuge des Raumordnungsverfahrens unter Auflagen als raumverträglich bewertet wurde. Das Gelände ist bis heute aufgrund der Kampfmittelbelastung für die Öffentlichkeit gesperrt und wurde von der Bahn letztendlich als nicht geeignet eingeschätzt.

Der EVG-Vorsitzende warnte in seiner Mitteilung vor Interessen- und Zielkonflikten innerhalb der Klimaschutzbewegung: "Wir sehen uns als Klimaschützer. Die Verkehrswende zugunsten der Schiene ist eminent notwendig für den Kampf gegen den Klimawandel und wird deshalb von vielen Menschen herbeigesehnt." Sie brauche aber auch die notwendige Infrastruktur, betonte er.